{"id":321,"date":"2024-02-01T21:17:13","date_gmt":"2024-02-01T18:17:13","guid":{"rendered":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/?p=321"},"modified":"2025-11-20T20:43:31","modified_gmt":"2025-11-20T17:43:31","slug":"analyse-altaegyptischer-mythen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/2024\/02\/01\/analyse-altaegyptischer-mythen\/","title":{"rendered":"Analyse alt\u00e4gyptischer Mythen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die alt\u00e4gyptische Mythologie erfreut sich nicht so gro\u00dfer Beliebtheit wie die Mythologie des antiken Griechenlands, vor allem weil uns die Weltanschauung der alten Griechen unvergleichlich n\u00e4her steht. Hellenische Vorstellungen \u00fcber Sch\u00f6nheit, Gerechtigkeit, die ideale Staatsstruktur, die Hierarchie moralischer und ethischer Werte und vor allem das k\u00fcnstlerische Verst\u00e4ndnis und den Ausdruck all dieser Kategorien stimmen weitgehend mit bestimmten Analogien aus unserer Zeit oder aus uns relativ nahen Epochen \u00fcberein rechtzeitig. Daher ist der ideologische und semantische Subtext des griechischen Mythos f\u00fcr einen unvorbereiteten Leser (in erster N\u00e4herung) leicht zu verstehen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Poetik der alt\u00e4gyptischen Mythologie ist dem Weltbild eines in der europ\u00e4ischen Kultur aufgewachsenen Menschen fremd. Dies erschwert die Wahrnehmung von Mythen und damit deren Popularisierung sehr. In der \u00e4gyptischen Mythologie scheinen Ereignisse keinen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung zu haben, die Handlungen der G\u00f6tter scheinen psychologisch unmotiviert oder offensichtlich inkonsistent zu sein und die Handlung selbst ist oft unverst\u00e4ndlich. Aber selbst wenn der Leser den Text nicht nur wahrnehmen, sondern auch alle seine assoziativen Zusammenh\u00e4nge und semantischen Parallelen erkennen kann, wird das Verstehen immer noch nur rational und emotionslos sein, da ein fremdes Bildsystem keine angemessene sensorische Reaktion hervorrufen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am schwierigsten zu verstehen ist die alt\u00e4gyptische Mythologie, da sie unlogisch ist. Der Gott Nehebkau bewacht st\u00e4ndig den Eingang zur anderen Welt, gleichzeitig ist er aber immer noch am Jenseitshof anwesend und begleitet den Sonnengott auf einer n\u00e4chtlichen Reise von West nach Ost. Einer Version der kosmogonischen Legende der Stadt Hermopolis zufolge (die wiederum zusammen mit anderen Legenden \u00fcber die Erschaffung der Welt existierte) wird die Sonnengottheit aus einem Lotus geboren, und der Lotus wird zum \u201eAuge\u201c von der Gott; Gott verbringt jedoch die Nacht in dieser Blume, verl\u00e4sst sie tags\u00fcber und fliegt um die Erde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Krokodile, Schlangen und Nilpferde gelten traditionell als Verk\u00f6rperung des Welt\u00fcbels \u2013 \u201eNichtexistenz und Dunkelheit\u201c: B\u00f6se M\u00e4chte werden in Form dieser Tiere dargestellt \u2013 aber auch die gute G\u00f6ttin Taurt wird in Form eines Nilpferds dargestellt Die Schutzg\u00f6ttin von Unter\u00e4gypten (Nord\u00e4gypten) wird ebenfalls in Form einer Schlange dargestellt. in Form eines Krokodils oder eines Mannes mit dem Kopf eines Krokodils &#8211; Sebek, Herr der \u00dcberschwemmungen, der Gott, von dem die Ernte abh\u00e4ngt, der Schutzpatron von J\u00e4gern und Fischern. In einer anderen Legende wird derselbe Sebek als Feind der Sonne bezeichnet. Die G\u00f6ttin Serket erscheint in verschiedenen Versionen desselben Mythos entweder als gute oder als b\u00f6se Gottheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch bezeichnender sind in dieser Hinsicht die Verwandlungen von Seth: dem Gott der D\u00fcrren und der W\u00fcste, dem M\u00f6rder von Osiris, dem beliebtesten und am meisten verehrten Gott der \u00c4gypter; Der Gott, dessen Geburtstag als der ungl\u00fccklichste Tag des Jahres galt, wird gleichzeitig als Schutzpatron der Pharaonen verehrt, ihm zu Ehren werden Heiligt\u00fcmer errichtet und Kinder benannt \u2013 und diese beiden sich ausschlie\u00dfenden Tendenzen bestehen seit Jahrhunderten nebeneinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die meisten G\u00f6tter gibt es keine strengen Regeln der Ikonographie, die vorschreiben, wie diese G\u00f6tter dargestellt werden sollten: Derselbe Gott wurde entweder als Mensch oder als Tier oder als Mann mit einem Tierkopf dargestellt. Schlie\u00dflich haben einige G\u00f6tter nicht einmal konstante Namen: Sie \u00e4ndern sich je nach Tageszeit, der Aktion, die der Gott gerade ausf\u00fchrt usw.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr einen Menschen des 20. Jahrhunderts, der es gewohnt ist, logisch und systematisch zu denken, hindert ihn eine solche Inkonsistenz daran, das Material zu systematisieren und logisch zu verstehen \u2013 das hei\u00dft, es in eine Art ganzheitliches Bild einzuordnen, innerhalb dessen es m\u00f6glich w\u00e4re, einige allgemeine Muster zu identifizieren und mit ihrer Hilfe unterschiedliche Sachverhalte, wenn nicht erkl\u00e4ren, so doch zumindest klassifizieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-441\" src=\"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/eg010224.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"343\" \/><br \/>\n<em>Abbildung 1. Der Sonnengott Ra, gekr\u00f6nt von einer Sonnenscheibe, mit einem Stab in Form eines Papyrusb\u00fcndels. Bronzefigur; XXII. Dynastie; Britisches Museum, London.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es bleibt hinzuzuf\u00fcgen, dass uns die alt\u00e4gyptischen Texte gr\u00f6\u00dftenteils in Fragmenten \u00fcberliefert sind; viele der darin enthaltenen Hinweise und Hinweise sind f\u00fcr uns unverst\u00e4ndlich; Schlie\u00dflich blieben einige Mythen nur in Nacherz\u00e4hlungen antiker Autoren erhalten, die ihre eigene Interpretation gaben und somit die urspr\u00fcngliche Bedeutung verzerrten. Die Unlogik der alt\u00e4gyptischen Mythologie ist eine nat\u00fcrliche Folge der Tatsache, dass in der polytheistischen Religion \u00c4gyptens das Konzept des \u201ereligi\u00f6sen Dissens\u201c lange Zeit nicht existierte: Es gab weder Dogmen noch Dogmen, in denen der Glaube als obligatorisch vorgeschrieben war von Theologen als \u201eKetzerei\u201c bestritten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich entwickelte jeder Nome (Verwaltungsbezirk) des Landes seine eigenen Versionen derselben Geschichten und Legenden und interpretierte dieselben religi\u00f6sen Postulate und mythologischen Ereignisse unterschiedlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Diskrepanz zwischen den Legendenversionen wurde dadurch versch\u00e4rft, dass sich die Legenden selbst gegenseitig beeinflussten: Handlungsstr\u00e4nge und Bilder wurden entlehnt, unterschiedliche Konzepte vermischt, unterschiedliche Ideen synkretisiert usw.; Infolgedessen \u00e4nderten die G\u00f6tter des alt\u00e4gyptischen Pantheons im Laufe der Jahrhunderte ihre Ikonographie und Rollen und wurden aus dem einen oder anderen Grund miteinander identifiziert \u2013 aufgrund der \u00c4hnlichkeit im Aussehen, der Identit\u00e4t der Funktionen und der \u00dcbereinstimmung der Namen. oder im Gegenteil, das Bild einer Gottheit ist in viele Varianten (Hypostasen) gespalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All dies f\u00fchrte dazu, dass selbst Mythen, die sich innerhalb desselben theologischen Zentrums und in derselben historischen Periode entwickelten und nebeneinander existierten, dieselben Bestimmungen auf v\u00f6llig unterschiedliche Weise interpretierten. Mit wenigen Ausnahmen ist die Aussprache alt\u00e4gyptischer W\u00f6rter unbekannt. Die Laut\u00e4u\u00dferungen ihrer Transliterationen sind rein bedingt und erheben in keiner Weise den Anspruch, phonetisch korrekt zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insbesondere war es zun\u00e4chst \u00fcblich, bei Vokalen die Betonung auf der vorletzten Silbe zu setzen. Allerdings kam es aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden zu zahlreichen Verst\u00f6\u00dfen gegen diese ebenfalls rein bedingte Regel. K\u00fcnftig wird die Betonung (durch Hervorhebung des betonten Vokals in Kursivschrift) bei der ersten Erw\u00e4hnung eines Namens oder einer Realit\u00e4t gesetzt und nur dann, wenn sie nicht auf der vorletzten Silbe steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist besser, anhand eines konkreten Beispiels nachzuzeichnen, wie sich die Vorstellungen \u00fcber Gottheiten im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert haben. Die \u00c4gypter stellten den h\u00f6chsten Gott ihres Pantheons, den Sonnengott Ra, als einen Mann mit dem Kopf eines Falken dar, gekr\u00f6nt von einer goldenen Sonnenscheibe (Abbildung 1). Der Kult dieser Gottheit nahm schlie\u00dflich w\u00e4hrend der Herrschaft der Pharaonen der IV. bis V. Dynastie Gestalt an, zweitausend Jahre vor dem \u201eZeitalter des Perikles\u201c im antiken Griechenland. Neben dem Ra-Kult gab es auch einen Kult der Sonneng\u00f6ttin Mafdet, einer Gepardin. Aber schon fr\u00fcher, in der pr\u00e4dynastischen \u00c4ra, verehrten die Bewohner der Nilk\u00fcste andere Sonneng\u00f6tter \u2013 Horus und Verus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Refrain ist ein Falke, der mit ausgebreiteten Fl\u00fcgeln durch den Weltraum fliegt; seine Augen sind die Sonne und der Mond; Abh\u00e4ngig von der Flugrichtung der Gottheit \u00e4ndern sich Tageszeit und Jahreszeiten. Im Gegensatz zu Horus war Verus nicht der Gott der Sonne, sondern der Gott des Himmels und des Lichts, aber da er wie Horus als derselbe sonnen\u00e4ugige Falke dargestellt wurde, verschmolzen die Bilder dieser beiden G\u00f6tter in der Mythologie oft miteinander. Mit zunehmender Popularit\u00e4t von Ra wuchs auch seine religi\u00f6se Bedeutung. Ab der V. Dynastie wurde der Sonnengott zum h\u00f6chsten, prim\u00e4ren Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war nicht l\u00e4nger m\u00f6glich, sich die Sonnenscheibe nur als das Auge einer anderen, m\u00e4chtigeren Gottheit vorzustellen. Das Bild des Chors \u2013 haupts\u00e4chlich dank der Kreativit\u00e4t von Theologen \u2013 nahm verschiedene Formen an: Harmachis (griechisch; \u00e4gyptisch. Khor-em-akht \u2013 \u201eChor im Himmel\u201c), Khorakhti (\u201eChor im Himmel\u201c) und andere Andere. Der \u00dcberlieferung zufolge existierte das urspr\u00fcngliche Bild des Horus-Falken jedoch weiterhin \u2013 genauso wie das Bild des Vera-Falken in der popul\u00e4ren Vorstellung immer noch existierte. Eine der Hypostasen des Chores wurde nach und nach mit Ver identifiziert, wodurch eine neue Gottheit entstand \u2013 Harver (\u201eGro\u00dfer Chor\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-442\" src=\"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/eg0102241.jpg\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"304\" \/><br \/>\n<em>Abbildung 2. Gott der aufgehenden Sonne Khepri mit einem Skarab\u00e4us anstelle eines Kopfes. Zeichnung des Reliefs aus dem Grab von Ramses I. im Tal der K\u00f6nige; XIX-Dynastie.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwa zur gleichen Zeit begann man, den alten Sonnengott Khepri mit Ra zu identifizieren (Abbildung 2): Von nun an erscheint Khepri als Hypostase von Ra \u2013 dem \u201ejungen Ra\u201c, dem Gott der aufgehenden Sonne. Bis zu vier G\u00f6tter wurden nun mit dem Sonnenkult in Verbindung gebracht: Zus\u00e4tzlich zu Ra und Khepri kamen hier auch zwei Hypostasen des Horus hinzu \u2013 Horakhti und Harmakhis (denn ihre Namen bedeuten \u201eder Bewohner des Himmels\u201c, d. h. der Sonne). Daher wurden Harmachis und Horakhti zu den Hypostasen von Ra. Der Kult der G\u00f6ttin Mafdet wurde auf eine sekund\u00e4re Ebene verbannt, aber ihr Bild beeinflusste offenbar die Ikonographie des Sonnengottes: Ra wurde manchmal als Katze dargestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die obige Beschreibung ist sehr vereinfacht: In Wirklichkeit gibt es mehr als 20 Hypostasen des Chors (sowie G\u00f6tter, deren historische Entstehung oder Ikonographie auf die Idee des Sonnenfalkens zur\u00fcckgeht). Der h\u00e4ufigste Grund f\u00fcr die Gleichsetzung von G\u00f6ttern untereinander war der Wunsch des Provinzpriestertums, dem Kult seiner lokalen, lokalen Gottheit ein gr\u00f6\u00dferes \u201espezifisches Gewicht\u201c und eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung in der Nationalreligion zu verleihen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Provinzgott identifizierte sich mit einem bekannten Gott, der in allen Nomen \u00c4gyptens verehrt wurde, und wurde zu seiner Hypostase. So wurde Andjeti, dessen Kultzentrum sich in Busiris befand, wo dieser Gott als Schutzpatron von Nome verehrt wurde, zu einem bestimmten Zeitpunkt mit Osiris identifiziert und die Osiris-Anjeti-Hypostase gebildet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende der XI. und fr\u00fchen XII. Dynastie, nach der Bef\u00f6rderung der Stadt Theben zur neuen Hauptstadt und damit zum f\u00fchrenden religi\u00f6sen Zentrum des Staates, sollte der thebanische Gott Amon den Hauptplatz im Pantheon einnehmen . Allerdings war die Vorherrschaft des Sonnengottes zu diesem Zeitpunkt im Land bereits zu etabliert; sein Kult als Hauptgott hatte eine zu lange Tradition und tiefe Wurzeln. Daher existierten zwei Trends lange Zeit nebeneinander, aber dann verschmolzen sie, wodurch der neue Gott Amon-Ra erschien; gleichzeitig wurden sowohl Ra als auch Amon weiterhin als \u201eunabh\u00e4ngige\u201c G\u00f6tter verehrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bemerkenswert ist, dass die Verflechtung der Kulte zweier G\u00f6tter nicht immer eine scheinbar logische Identifizierung derselben mit sich brachte. W\u00e4hrend der Herrschaft der Pharaonen der XI. Dynastie war der lokale Gott von Theben Montu \u00e4u\u00dferst beliebt, erschien in der Theologie sogar als eine der Hypostasen von Ra selbst und galt als \u201eSeele\u201c (\u00e4gyptisch Ba) des Sonnengottes. Doch mit dem Aufstieg des thebanischen Amon identifizierte sich Montu nicht mit ihm, wie man erwarten k\u00f6nnte, sondern wurde trotz seiner Popularit\u00e4t von Amon verdr\u00e4ngt und blieb bis zur neuen Bl\u00fctezeit seines Kultes (18.-20. Dynastie eine untergeordnete, lokale Gottheit).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Prozess der Ver\u00e4nderung popul\u00e4rer Vorstellungen \u00fcber Gottheiten spielte die \u00dcbereinstimmung von Namen eine entscheidende Rolle. Die \u00c4gypter gaben dem Namen eine heilige Bedeutung (und im Allgemeinen allen laut gesprochenen oder auf Papyrus geschriebenen Worten). In der Sammlung der Eremitage gibt es eine Figur, die (vermutlich) den Pharao Senusret III. aus der XII. Dynastie darstellt und auf der der Name Ramses II. (XIX. Dynastie) eingraviert ist. W\u00e4hrend der Herrschaft von Ramses II., der zu seinen Lebzeiten verg\u00f6ttert wurde, wurden viele Statuen, die fr\u00fchere Herrscher verewigten, usurpiert. In solchen F\u00e4llen wurde auf \u00e4u\u00dfere \u00c4hnlichkeit kein Wert gelegt: Alles wurde durch den Namen bestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man sollte jedoch nicht glauben, dass religi\u00f6se Konzepte allein durch den bewussten Willen der Priester ver\u00e4ndert wurden, die angeblich eine Kaste von Ideologen repr\u00e4sentierten, die das \u201eunterentwickelte Bewusstsein des Volkes\u201c ausnutzten. Der Prozess der Ver\u00e4nderung mythologischer und religi\u00f6ser Vorstellungen war im Grunde ein objektiver historischer Prozess.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Land am Nil wurden wie nirgendwo sonst \u201eAntike\u201c und \u201eBrauchtum\u201c gepflegt; Wenn daher die Reform eines ideologischen Aspekts zu k\u00fcnstlich aufgezwungen wurde, scheiterte sie in den meisten F\u00e4llen. Was die \u201ek\u00fcnstliche G\u00f6ttersch\u00f6pfung\u201c der \u00e4gyptischen Priester betrifft, so basierte die \u00fcberwiegende Mehrheit der theologischen Berechnungen trotz ihres spekulativen Charakters auf dem Glauben an die G\u00f6tter und nicht auf ideologischem Interesse, was auf eine bewusste T\u00e4uschung schlie\u00dfen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darin liegt kein Paradoxon \u2013 die Geschichte kennt viele Analogien. Die V\u00e4ter der christlichen Kirche haben auch spekulativ die Evangelientexte kanonisiert und Regeln f\u00fcr die Ikonenmalerei aufgestellt; und die Gr\u00fcnder ganzer religi\u00f6ser Bewegungen (wie Luther) und Augustinus \u2013 sie alle waren Gl\u00e4ubige, was sie jedoch nicht daran hinderte, religi\u00f6se Postulate zu verstehen und zu modifizieren. F\u00fcr die \u00c4gypter schien es v\u00f6llig nat\u00fcrlich, die G\u00f6tter gleichzusetzen \u2013 und zwar nicht nur die G\u00f6tter, sondern sogar Menschen mit den G\u00f6ttern. Mysterien (rituelle Theaterauff\u00fchrungen basierend auf mythologischen Themen) wurden von ihnen nicht als Bilder mythologischer Ereignisse wahrgenommen, sondern als die Ereignisse selbst, wobei die \u201eSchauspieler\u201c die G\u00f6tter selbst waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als der Einbalsamierer bei der Mumifizierung einer Leiche die Maske des schakalk\u00f6pfigen Gottes Anubis aufsetzte, galt er als Anubis selbst, solange die Maske auf ihm war. Der verstorbene \u00c4gypter wurde zum Gott der Unterwelt, Osiris, und der Name \u201eOsiris\u201c wurde automatisch zu seinem Namen hinzugef\u00fcgt. W\u00e4hrend der Beerdigung betrachteten die Trauernden die G\u00f6ttinnen Isis und Nephthys \u2013 die Schwestern von Osiris \u2013 und den Sohn des Verstorbenen \u2013 den Sohn von Osiris, den Gott Horus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt einen Mythos, dem zufolge Ra einst von einer Giftschlange gebissen und mit Hilfe von Zauberspr\u00fcchen geheilt wurde. Wenn also jemand von einer Schlange gebissen wurde, las der Arzt Zauberspr\u00fcche und identifizierte so das Opfer mit dem Gott Ra. Der b\u00f6se D\u00e4mon, auf dessen Veranlassung die Schlange handelte, hatte es nicht mehr mit einem einfachen Sterblichen, sondern mit einer Gottheit zu tun, und so wie einst der h\u00f6chste Gott selbst geheilt worden war, musste auch das Opfer geheilt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-443\" src=\"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/eg0102242.jpg\" alt=\"\" width=\"347\" height=\"299\" \/><br \/>\n<em>Abbildung 3. Von links nach rechts: Ra, Atum, Khepri \u2013 die Tages-, Abend- und Morgensonne. Zeichnung des Reliefs aus dem Felsengrab des W\u00fcrdentr\u00e4gers Pennut in Aniba; XX. Dynastie.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Entstehung sich gegenseitig ausschlie\u00dfender Vorstellungen \u00fcber eine Gottheit und deren gleichzeitige Existenz in verschiedenen Regionen historisch relativ einfach zu erkl\u00e4ren ist, ist es viel schwieriger zu verstehen, wie diese sich gegenseitig ausschlie\u00dfenden Vorstellungen in den K\u00f6pfen ein und derselben Person koexistieren k\u00f6nnten. Mit anderen Worten: Wie gelang es dem alten \u00c4gypter, gleichzeitig an mehrere widerspr\u00fcchliche Positionen zu glauben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist zum Beispiel die Sonne? Das ist das goldene Kalb. Er wird am Morgen in Form einer Kuh von der Himmelsg\u00f6ttin Nut geboren. Innerhalb eines Tages reift das Kalb und wird zum Bullen; Dieser Bulle ist die Verk\u00f6rperung von Ra. Abends kopuliert der Stier mit der Kuh Nut; Danach schluckt Nut den Sonnenbullen und bringt am Morgen erneut ein Kind zur Welt. \u201eRa ist in seinem Sohn auferstanden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig ist die Sonne kein Kalb, sondern eine goldene Scheibe. Khepri rollt ihn in der Gestalt eines Skarab\u00e4usk\u00e4fers \u00fcber den Himmel bis zum Zenit und \u00fcbergibt ihn Ra. Der Sonnengott transportiert die Scheibe im Boot der Ewigkeit (w\u00f6rtlich: \u201eBoot der Millionen Jahre\u201c) nach Westen und \u00fcbergibt sie dort dem Gott Atum, der wiederum die Scheibe \u00fcber den Horizont senkt (Abbildung 3). Nachts wird die Sonne durch das Wasser des unterirdischen Nils, der durch die Unterwelt flie\u00dft, zur\u00fcck nach Osten transportiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist der Himmel? Dies ist der Fluss, auf dem das Boot der Ewigkeit schwimmt, und die Fl\u00fcgel eines Drachens und der K\u00f6rper der G\u00f6ttin Nut (wenn man sich Nut als Frau vorstellt) und ihr Bauch (wenn die G\u00f6ttin die Gestalt einer Kuh annimmt, Abbildung 4). Diese widerspr\u00fcchlichen mythologischen Bilder entstanden in verschiedenen Perioden der Geschichte des alten \u00c4gypten, aber in den K\u00f6pfen der \u00c4gypter existierten sie dann alle gleichzeitig nebeneinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um dies zu verstehen, m\u00fcssen wir uns zun\u00e4chst daran erinnern, dass Mythos und M\u00e4rchen nicht dasselbe sind. Ein M\u00e4rchen ist immer eine bewusste Fiktion und ein Mythos ist immer die Wahrheit. Ein Mythos stellt ein ganz bestimmtes Bild der Welt um uns herum und ein bestimmtes System von Ansichten \u00fcber das Leben dar. Jedes Volk, jede Epoche versucht auf seine Weise, die Welt um sich herum, den Sinn des Lebens zu erkl\u00e4ren, eine bestimmte Wertehierarchie zu entwickeln \u2013 und seine eigene Mythologie zu schaffen (obwohl dieser Begriff in diesem Fall m\u00f6glicherweise nicht ganz angemessen ist).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mythologie ist manchmal mehr, manchmal weniger rationalistisch, aber in allen F\u00e4llen enth\u00e4lt sie neben dem Rationalen auch ein poetisches Element. In der \u00e4gyptischen Mythologie dominiert die Poesie. Und es ist ganz nat\u00fcrlich, dass in der Poesie der Himmel gleichzeitig ein Fluss und die Fl\u00fcgel eines Vogels, einer Frau und einer Kuh sein kann. Dies sind Symbole, \u201epoetische Definitionen\u201c des Himmels.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-444\" src=\"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/eg0102243.jpg\" alt=\"\" width=\"429\" height=\"307\" \/><br \/>\n<em>Abbildung 4. Der Himmel in Form einer Kuh mit Sternen auf dem Bauch. Die Himmlische Kuh wird vorne und hinten von Schutzg\u00f6ttern gest\u00fctzt; in der Mitte (mit erhobenen H\u00e4nden) ist der Gott des Windes und der Luft Shu; Vor ihm und hinter ihm sind die Abend- und Morgenhypostasen des Sonnenbootes. Zeichnung eines der Bilder des \u201eBuches der Kuh\u201c; XIX-Dynastie.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eVon keinem \u00c4gypter wurde erwartet, dass er an irgendeine Vorstellung vom Himmel glaubte, da alle Vorstellungen von denselben Theologen als legitim akzeptiert wurden\u201c, bemerkt R. Anthes. \u201eDa die \u00c4gypter dar\u00fcber hinaus genauso viel gesunden Menschenverstand hatten wie wir, k\u00f6nnen wir mit Sicherheit schlussfolgern, dass niemand, au\u00dfer vielleicht der Naivste, das kombinierte Bild der himmlischen Kuh im w\u00f6rtlichen Sinne aufgefasst hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Schlussfolgerung wird durch die Tatsache gest\u00fctzt, dass in denselben K\u00f6nigsgr\u00e4bern um 1300 v. Chr. Erbaut wurde. h., es gibt (und) andere Bilder des Himmels. Wer in diesen Bildern eine Darstellung der tats\u00e4chlichen Form des Himmels suchen w\u00fcrde, w\u00e4re v\u00f6llig verwirrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daher sollten sie lediglich als Symbole des Himmels dienen. Das Bild, das wir untersuchen, ist eine k\u00fcnstlerische Kombination von Symbolen, die jeweils den Himmel und die Himmel widerspiegeln. Es besteht kein Zweifel, dass sie ganz am Anfang ihrer Geschichte, etwa 3000 v. Chr., standen. h., die \u00c4gypter verstanden, dass die Idee des Himmels nicht direkt durch Vernunft und Sinneserfahrung erfasst werden kann. Sie verwendeten bewusst Symbole, um es f\u00fcr die Menschen ihrer Zeit verst\u00e4ndlich zu erkl\u00e4ren. Da jedoch kein Symbol die gesamte Essenz dessen, was es ausdr\u00fcckt, erfassen kann, f\u00fchrt die Erh\u00f6hung der Anzahl der Symbole eher zu einem besseren Verst\u00e4ndnis als zu einer Irref\u00fchrung.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Idee von R. Antes wird von I.M. Dyakonov sehr gut anhand eines historischen Analogons erkl\u00e4rt, das f\u00fcr den modernen Menschen nah und verst\u00e4ndlich ist: \u201eNehmen wir eine Analogie zur antiken mythenbildenden semantischen Reihe in Form eines klassischen Beispiels poetischer Metaphern.\u201c aus der Literatur der Neuzeit: Bei Puschkin \u201e&#8230; eine Biene aus einer w\u00e4chsernen Zelle \/ fliegt zum Tribut des Feldes &#8230;\u201c Wenn wir diese Metaphern erweitern, k\u00f6nnen wir es so ausdr\u00fccken: Eine Biene ist darin wie eine Nonne es lebt in den dunklen und geschlossenen Wachswaben eines Bienenstocks, wie eine Nonne in einer Zelle; Eine Biene \u00e4hnelt einem Steuereintreiber oder einem Krieger darin, dass sie Nektar sammelt \u2013 das Eigentum von Blumen, genauso wie ein Krieger Tribut von den Untertanen eines K\u00f6nigs oder einer K\u00f6nigin einsammelt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tatsache, dass die Nonne \u00fcberhaupt nicht einem Z\u00f6llner \u00e4hnelt, verarmt das Bild der Biene nicht durch seine Widerspr\u00fcchlichkeit, sondern bereichert es und macht es vielseitiger. Ebenso widersprechen sich der Himmel \u2013 eine Kuh, der Himmel \u2013 der Geliebte der Erde und der Himmel \u2013 ein Fluss nicht, sondern bereichern im mythologischen Sinne nur das Verst\u00e4ndnis des Bildes des Himmels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und es stellt sich heraus, dass selbst die Tatsache, dass sowohl Nut als auch die Kuh vollst\u00e4ndig physisch gedacht werden m\u00fcssen und echte Opfer erleiden m\u00fcssen, der Sache nichts ausmacht.\u201c Es kann hinzugef\u00fcgt werden, dass aus der Sicht der formalen Logik beispielsweise Nekrasovs Zeilen \u201eDu bist elend, \/ Du bist reichlich, \/ Du bist m\u00e4chtig, \/ Du bist machtlos, \/ Mutter Rus!\u201c und Derzhavins \u201eIch bin der Zar \u2013 ich bin ein Sklave \u2013 ich bin ein Wurm \u2013 ich bin Gott!\u201c Allerdings wird in beiden F\u00e4llen der Gedanke mit Hilfe bildlicher Mittel nicht nur nicht weniger genau und klar ausgedr\u00fcckt, als er in der Sprache ausgedr\u00fcckt w\u00fcrde von Logik und begr\u00fcndeten Argumenten, sondern erhielt auch eine emotionale F\u00e4rbung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht noch deutlicher ist der Vergleich der alt\u00e4gyptischen Hymne an Osiris:<br \/>\nDeine Essenz, Osiris, ist dunkler [als alle anderen G\u00f6tter].<br \/>\nDu bist der Mond am Himmel,<br \/>\nDu wirst jung, wenn du willst<br \/>\nDu wirst jung, wenn du willst<br \/>\nUnd du bist der gro\u00dfe Nil an den Ufern zu Beginn des neuen Jahres:<br \/>\nMenschen und G\u00f6tter leben von der Feuchtigkeit, die aus dir str\u00f6mt.<br \/>\nUnd ich habe auch festgestellt, dass Eure Majest\u00e4t \u2013<br \/>\ndas ist der K\u00f6nig der Unterwelt &#8211;<br \/>\nmit den ersten Strophen von B. L. Pasternaks Gedicht \u201eDie Definition der Poesie\u201c:<br \/>\nDas ist eine coole Pfeife,<br \/>\nDas ist das Klicken zersto\u00dfener Eisschollen,<br \/>\nDies ist die Nacht, die das Blatt k\u00fchlt,<br \/>\nDies ist ein Duell zwischen zwei Nachtigallen.<br \/>\nDas sind s\u00fc\u00dfe faule Erbsen,<br \/>\nDas sind die Tr\u00e4nen des Universums in den Schulterbl\u00e4ttern,<br \/>\nDies ist von den Konsolen und Fl\u00f6ten des Figaro<br \/>\nF\u00e4llt wie Hagel auf das Gartenbeet<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist einfacher, eine andere historische Epoche und die Denkweise eines anderen zu verstehen, wenn man versteht, welche Gef\u00fchle die Handlungen der Menschen dieser Epoche verursachten. Viele ihrer Handlungen erscheinen mittlerweile offensichtlich absurd, aber in unserem Verhalten gibt es fast immer Analogien zu solchen Handlungen \u2013 psychologische Analogien: Nicht \u00e4u\u00dfere Handlungen m\u00fcssen verglichen werden, sondern die Sinnesimpulse, die die Handlung verursacht haben. Im 17. Jahrhundert peitschten in Spanien die Dorfbewohner im gesamten Dorf eine Glocke (sie l\u00e4utete nicht gut); Dasselbe geschah in Uglitsch nach dem Tod von Zarewitsch Dimitri.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir lachen dar\u00fcber herablassend, f\u00fchren es auf Unwissenheit und Naivit\u00e4t zur\u00fcck, aber wir selbst, nachdem wir \u00fcber einen Haken gestolpert sind, werfen ihn aus Frustration raus; Geschirrzerbrechen bei Familienstreitigkeiten; wir machen m\u00fchsam etwas, aber es klappt einfach nicht, wir haben keine Geduld mehr \u2013 und wir werfen das Produkt gegen die Wand; und diese vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes v\u00f6llig absurden Handlungen erscheinen jedem selbstverst\u00e4ndlich. Die \u00c4gypter brachten Essen zu ihren Gr\u00e4bern; wir bringen Blumen zu unseren Gr\u00e4bern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00c4gypter betrachteten die Mysterien nicht als Abbilder mythologischer Ereignisse, sondern als die Ereignisse selbst, die sich in der Realit\u00e4t abspielten, und obwohl sie das \u201eSzenario\u201c im Voraus kannten, warteten sie dennoch gespannt darauf, ob der Sonnengott (Pharao) siegen w\u00fcrde sein Feind \u2013 die Riesenschlange Apep (bemaltes Seil aus Palmfasern), ob er sie mit einem Schwert zerhackt \u2013 aber das ist einfach der \u201eEffekt der Pr\u00e4senz\u201c in der Kunst: Mit unerbittlicher emotionaler Wirkung lesen wir unseren Lieblingsroman viele Male noch einmal und sorgen uns um den Helden, obwohl wir die Handlung kennen; Wir schauen uns den Film an und vergessen dabei, dass zum Beispiel Peter I. von einem Schauspieler gespielt wird: F\u00fcr uns ist er Peter I. selbst, so wie f\u00fcr die \u00c4gypter der Priester in der Schakalmaske f\u00fcr die Dauer des Bestattungsgeheimnisses zum Gott Anubis selbst wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00c4gypter kannten mehrere sich gegenseitig ausschlie\u00dfende Legenden \u00fcber die Entstehung der Welt und glaubten gleichzeitig an sie alle; Die Widerspr\u00fcche zwischen den Legenden lie\u00dfen sie nicht daran zweifeln, dass die Welt von den G\u00f6ttern geschaffen wurde, aber mittlerweile stellen Wissenschaftler auch viele sich gegenseitig ausschlie\u00dfende Hypothesen \u00fcber den Ursprung des Universums auf, und niemand bestreitet auf dieser Grundlage die Astronomie als Wissenschaft. Wahrscheinlich messen wir laut ausgesprochenen Worten keine heilige Bedeutung bei, aber dennoch bedeuten uns Worte viel mehr, als es auf den ersten Blick scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Mythologie des alten \u00c4gypten herrscht Poesie vor, und es ist ganz nat\u00fcrlich, dass in der Poesie viel mehr Symbolik steckt als in einem rationalen System von Lebensanschauungen. Daher hatten die \u00e4gyptischen G\u00f6tter im Gegensatz zu den olympischen G\u00f6ttern oft keine streng definierten Funktionen. Es gab Ra \u2013 den Gott der Sonne, Hathor \u2013 die G\u00f6ttin der Liebe und Mutterschaft \u2013 es gibt Analogien zu solchen Gottheiten in der hellenischen Mythologie; aber gleichzeitig gab es in der Religion der \u00c4gypter viele reine Abstraktionen, die f\u00fcr die griechische Religion nicht charakteristisch waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Beispiel: Hu, Sia, Sekhem und Heh \u2013 \u201eWille\u201c, \u201eGeist\u201c, \u201eEnergie\u201c und \u201eEwigkeit\u201c. G\u00f6tter sind Personifikationen der Kr\u00e4fte, die Ordnung und Harmonie in der Welt aufrechterhalten. Der Heken-Chor ist die Personifizierung einer der Phasen des t\u00e4glichen Sonnenwegs. G\u00f6ttin Sokhmet ist die Verk\u00f6rperung der im Sonnenauge enthaltenen Kr\u00e4fte. Es gab G\u00f6tter \u2013 Verk\u00f6rperungen des sch\u00f6pferischen Willens anderer G\u00f6tter, oder G\u00f6tter \u2013 Verk\u00f6rperungen eines Gesetzes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Angaben des Autors wurden auch Bilder \u201enicht-abstrakter\u201c G\u00f6tter \u2013 wie die bereits erw\u00e4hnten Hathor und Ra \u2013 symbolisch wahrgenommen. Obwohl die \u00c4gypter, zumindest bis zum 14. Jahrhundert. Chr h., sie kannten eine solche Abstraktion wie \u201eGeist\u201c nicht, doch anscheinend stellten sie den Sonnengott nur in Form eines Mannes mit dem Kopf eines Falken dar, aber niemand nahm dieses Bild w\u00f6rtlich, genauso wie: Zum Vergleich: Keiner von uns stellt sich unser Mutterland in Form einer Frau vor, und gleichzeitig wurde das Mutterland, das sich zum Kampf gegen die Besatzer erhob, auf Milit\u00e4rplakaten als Frau mit dem Eidtext in der Hand dargestellt. Denkm\u00e4ler zeigen sie in Form einer Frau mit einem Schwert usw.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Annahme wird teilweise von Herodot best\u00e4tigt: \u201eK\u00fcnstler malen und Bildhauer schnitzen Bilder von Pan (Herodotus nennt den \u00e4gyptischen Gott Banebdjedet Pan. &#8211; I.R.) wie die Hellenen \u2013 mit Ziegenkopf und Ziegenbeinen, obwohl sie dies nat\u00fcrlich nicht ber\u00fccksichtigen.\u201c Ein solches Bild ist korrekt, da man glaubt, dass dieser Gott das gleiche Aussehen hat wie andere G\u00f6tter. Aber warum sie ihn immer noch so darstellen, ist f\u00fcr mich schwer zu sagen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Symbolik der alt\u00e4gyptischen Mythologie l\u00e4sst sich nicht nur anhand religi\u00f6ser Texte beurteilen \u2013 Wandgem\u00e4lde, Reliefs und Zeichnungen in Papyri sind voller Symbolik. In dieser Hinsicht unterscheiden sich der Kanon der \u00e4gyptischen bildenden Kunst und ihre Traditionen deutlich von denen in der Kunst des antiken Griechenlands.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-445\" src=\"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/eg0102244.jpg\" alt=\"\" width=\"646\" height=\"387\" \/><br \/>\n<em>Abbildung 5. Sonnenaufgang. Zeichnung des Gem\u00e4ldes einer griechischen Vase.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abbildung 5 zeigt ein Fragment des Gem\u00e4ldes einer griechischen Vase \u201eSonnenaufgang\u201c. In einem von vier gefl\u00fcgelten Pferden gezogenen Streitwagen schwebt Helios in den Himmel. Die Strahlen seiner Krone f\u00e4rben das Meer golden, die Wellen spritzen glitzernden Schaum und sonnenverw\u00f6hnte Jugendliche tummeln sich und freuen sich \u00fcber den Beginn eines neuen Tages. Alles wird w\u00f6rtlich dargestellt: genau so, wie es in den entsprechenden Legenden beschrieben ist. Der \u00e4gyptische K\u00fcnstler denkt in ganz anderen Kategorien. Die Illustration zum Text des Papyrus, der dem Tempels\u00e4nger geh\u00f6rte (Abbildung 6), zeigt ebenfalls eine Sonnenaufgangsszene.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Boot der Ewigkeit erscheint hinter dem Berghang. Sie schwimmt auf dem Wasser des himmlischen Flusses, dessen symbolisches Bild von den H\u00f6rnern der G\u00f6ttin Mehet Urt (Hypostase von Nut) in Gestalt einer Kuh getragen wird. Die G\u00f6ttin gebar ein goldenes Kalb \u2013 die Sonnenscheibe. Der Berg, hinter dem der Turm auftaucht, ist rosa gestrichen \u2013 das ist die Farbe der Morgend\u00e4mmerung und des Blutes von Nut w\u00e4hrend der Geburt und die Farbe des eigentlichen Berges El-Qurna (arabisch f\u00fcr \u201eHorn\u201c; der Name geht offensichtlich so). zur\u00fcck zum alt\u00e4gyptischen Toponym, basierend auf dem metaphorischen Vergleich eines Berges mit dem Horn der himmlischen Kuh).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die neugeborene Sonne, eine burgunderrote stilisierte Scheibe, schwebt \u00fcber dem Turm; er wird vom Skarab\u00e4usk\u00e4fer Khepri \u00fcber den Himmel gerollt (Khepri selbst ist nicht anwesend, aber er wird angedeutet). Im Inneren der Scheibe befindet sich der Kopf eines Widders: Dies ist zum einen eine der Formen, in denen Ra (Amon-Ra) dargestellt wurde, und in diesem Fall enth\u00e4lt das stilisierte Bild eines Widders das Bild sozusagen assoziativ eines goldenen Kalbes.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-446\" src=\"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/eg0102245.jpg\" alt=\"\" width=\"426\" height=\"377\" \/><br \/>\n<em>Abbildung 6. Sonnenaufgang. Konturreproduktion einer Zeichnung aus dem \u201eMythologischen Papyrus des S\u00e4ngers Amon Ta-hem-en-mut\u201c; XXI. Dynastie; Nationalmuseum, Warschau.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Lotus \u00f6ffnet seine Bl\u00fctenbl\u00e4tter dem aufgehenden Stern entgegen, und der Pavian st\u00f6\u00dft einen Jubelschrei aus, um den neuen Tag zu begr\u00fc\u00dfen. Der Pavian in Kombination mit der Lotusblume symbolisiert die Flora und Fauna. Der Lotus selbst, die heilige Pflanze des Pflanzengottes Nefertum, verk\u00f6rpert Sch\u00f6nheit, Geburt und Auferstehung nach dem Tod. Der Pavian wurde mit dem Sonnenkult und dem Kult des Gottes der Weisheit Thoth in Verbindung gebracht, was bedeutet, dass er im Kontext des Bildes zwei G\u00f6tter gleichzeitig symbolisiert, Thoth und Ra, als ob sie \u201emiteinander verschmelzen\u201c w\u00fcrden. Dies k\u00f6nnte beispielsweise eine Allegorie auf die Einheit von Licht sein, die Ra der Erde, dem Leben (Lotus) und der Weisheit der bestehenden Weltordnung verleiht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und was bedeutet die G\u00f6ttin der Weltordnung Maat (mit einer Feder auf dem Kopf), die auf dem Bug des Turms steht? Das von den G\u00f6ttern aufgestellte Gesetz: Die Sonne geht abends unter und geht morgens immer wieder auf? Gerechtigkeit? Gerechtigkeit, deren Einhaltung Ra wachsam \u00fcberwacht? Sie k\u00f6nnen so viele Assoziationen und Interpretationen finden, wie Sie m\u00f6chten, und alle werden in gewissem Ma\u00dfe legitim sein. Und der Pavian und der Lotus und Ra und Maat \u2013 alle in der Figur dargestellten Bilder \u00e4hneln in ihren Funktionen den Hieroglyphen der ideografischen Schrift: Jedes Bild f\u00fcr sich bedeutet etwas, und wenn man diese Bilder miteinander kombiniert verschiedene Kombinationen, dann wird jede neue Kombination eine neue Bedeutung, eine neue Allegorie ergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pavian und Lotus \u2013 Flora und Fauna. Pavian und Maat \u2013 die Weisheit des von den G\u00f6ttern aufgestellten Gesetzes. Lotus und Maat sind seine Sch\u00f6nheit. Maat und Ra \u2013 die Gerechtigkeit des Herrschergottes. Lotus, Pavian und Ra \u2013 Leben, dessen Quelle die Hitze der Sonne ist. Wenn Sie beispielsweise einen weiteren jungen Mann zur Szene von Helios\u2018 Flucht hinzuf\u00fcgen oder die jungen M\u00e4nner durch Nereiden ersetzen, hat dies keinen Einfluss auf die Bedeutung des Bildes als Ganzes. Aber wenn man das Gleiche mit einer \u00e4gyptischen Zeichnung macht \u2013 zum Beispiel dort einen Papyrusstiel abbildet \u2013 entstehen sofort neue Allegorien. Papyrus ist das Wahrzeichen Unter\u00e4gyptens, der Lotus oder die Seerose ist das Wahrzeichen Ober\u00e4gyptens, und zusammen werden sie die Vereinigung der beiden L\u00e4nder symbolisieren: Das ganze Land hei\u00dft den auferstandenen Gott Ra willkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beachten wir noch einmal, dass mythologische und religi\u00f6se Ideen in der bildenden Kunst \u00c4gyptens oft nicht w\u00f6rtlich, sondern im \u00fcbertragenen Sinne widergespiegelt werden: Das Bild dient nicht als Illustration einer bestimmten Episode eines Mythos oder eines Textfragments, sondern sozusagen in der Rolle einer Metapher. In der Szene des Jenseitsgerichts \u00fcber den Verstorbenen entfaltet sich die Handlung im Laufe der Zeit, Stufe f\u00fcr Stufe. Die erste Szene (links) \u2013 der schakalk\u00f6pfige Gott Anubis f\u00fchrte den verstorbenen \u00c4gypter in die Gro\u00dfe Halle der zwei Wahrheiten \u2013 die Halle, in der das Gericht vollstreckt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">N\u00e4chste Szene: Anubis wiegt das Herz des Verstorbenen auf der Waage der Wahrheit, die als G\u00f6ttin der Weltordnung und Gerechtigkeit Maat (Metapher!) dargestellt wird; Auf der rechten Seite der Waage befindet sich die Feder der G\u00f6ttin, symbolische \u201eWahrheit\u201c. Gott Thoth (mit dem Kopf eines Ibis) schreibt das Ergebnis der Abw\u00e4gung und das Urteil nieder. Neben der Waage erstarrte die Monsterg\u00f6ttin Amt (Ammat) in ungeduldiger Erwartung \u2013 sie wartet auf die Verk\u00fcndung des Urteils, und wenn es nicht freigesprochen wird, wird Amt das Herz des Verstorbenen verschlingen. Doch der Verstorbene wurde freigesprochen und erschien in Begleitung des falkenk\u00f6pfigen Gottes Horus, dem Sohn von Isis und Osiris, vor dem Angesicht des Herrschers der Toten \u2013 Osiris selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinter Osiris stehen die G\u00f6ttinnen Isis und Nephthys, am Fu\u00dfe des Throns die S\u00f6hne des Horus in einer Lotusblume und oben links das gefl\u00fcgelte Sonnenauge mit der Feder von Maat. Es gibt viele Mythen \u00fcber das Sonnenauge, aber es gibt keine Mythen, in denen es in Gestalt eines gefl\u00fcgelten Wesens erscheint, das eine Feder in seinen Klauen h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und obwohl die Ikonographie in all diesen F\u00e4llen auf mythologische Ideen zur\u00fcckgeht, die anderthalb Jahrtausende fr\u00fcher existierten (in unserem Fall handelt es sich um Echos des gleichen antiken Bildes des Falken Horus und seines rechten Auges, der Sonne), w\u00e4re dies immer noch nicht der Fall Es ist ein Fehler zu sagen, dass die traditionelle Idee der Symbolik gewichen ist, und vor uns liegt eine sichtbare Metapher: Ausgestreckte Fl\u00fcgel sind eine Allegorie des Schutzes, eine Feder ist ein Symbol f\u00fcr Gerechtigkeit und Gerechtigkeit&#8230; &#8211; Das Auge des Sonnengottes schwebt \u00fcber der Welt, sch\u00fctzt Gerechtigkeit und Weltordnung und wacht wachsam \u00fcber deren Einhaltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e\u00c4gypten\u201c ist ein griechisches Wort. Die \u00c4gypter selbst nannten ihr Land \u201eTa-Kemet\u201c \u2013 \u201eSchwarzes Land\u201c, also fruchtbares, lebendiges Land, im Gegensatz zum \u201eRoten Land\u201c, der W\u00fcste. Die alten \u00c4gypter lie\u00dfen sich am Ostufer des Nils nieder; Das Westufer wurde der \u201eEwigkeit\u201c \u2013 dem jenseitigen Dasein \u2013 \u00fcberlassen: Dort wurden Pyramiden, Mastabas und Gr\u00e4ber errichtet. Dieser Brauch basierte auch auf Symbolik: So wie die Sonne am Ostufer des himmlischen Flusses geboren wird und am Westufer stirbt, so verbringen die Menschen, \u201edas Vieh von Ra\u201c, ihr irdisches Leben im Osten und nach dem Tod Sie ziehen nach Westen, in die Schilffelder \u2013 das Leben nach dem Tod. \u201eParadies\u201c, ein Ort des Friedens, der Gl\u00fcckseligkeit und des ewigen Lebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den alten \u00c4gypter war der Tod ein Aufbruch in eine andere Welt, in der er genauso weiterlebte wie auf der Erde: Essen, Trinken, Felder bestellen, Herden h\u00fcten usw. Das jenseitige Dasein schien dem irdischen in jeder Hinsicht \u00e4hnlich zu sein Eins, nur war es besser, gl\u00fccklicher: Die Toten brauchten nichts und lebten ewig. Diese Idee der \u201eEwigkeit\u201c durchdringt die gesamte sch\u00f6ne Kunst des alten \u00c4gypten. Zivile Architektur und Bildhauerei sind bis heute nicht erhalten: \u201eProvisorische\u201c irdische Behausungen wurden aus Rohziegeln gebaut, und f\u00fcr Geb\u00e4ude, die mit \u201eewigem Leben\u201c in Verbindung gebracht wurden, wurde ein ewiges, zeitloses Material verwendet \u2013 Stein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pyramiden verk\u00f6rpern auch die Idee der Ewigkeit: Ihre unersch\u00fctterlichen Massen scheinen die Menschen daran zu erinnern, dass alle Ver\u00e4nderungen, die um sie herum stattfinden, unbedeutend und fl\u00fcchtig sind und das irdische Leben im Vergleich zur Ewigkeit von Pyramiden und Felsen nur einen Moment dauert. Die Griechen nannten die Pyramiden \u201edas erste Weltwunder\u201c \u2013 und in diesem Fall war \u201eEwigkeit\u201c gerechtfertigt: Dies ist das einzige \u201eWeltwunder\u201c, das bis heute \u00fcberlebt hat&#8230; Die strenge Symmetrie und Monumentalit\u00e4t von Die alt\u00e4gyptische Skulptur vermittelt ein Gef\u00fchl von Ausgeglichenheit, Frieden und Stabilit\u00e4t und symbolisiert die Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die gesamte alt\u00e4gyptische Mythologie ist \u201emonumental\u201c. Die olympischen G\u00f6tter helfen Perseus, die Gorgone Medusa und Odysseus zu t\u00f6ten \u2013 um die Gefahren der Reise sicher zu \u00fcberwinden, nimmt der gesamte Olymp aktiv am Trojanischen Krieg teil \u2013 und im Gegensatz zu den Olympiern gibt es viele G\u00f6tter des Landes am Nil Sie sind weniger an irgendeiner Aktivit\u00e4t beteiligt und mischen sich fast nie aus freien St\u00fccken in menschliche Streitigkeiten ein. Fast die \u00fcberwiegende Mehrheit der G\u00f6tter erscheint in Mythen nicht einmal als \u201eSchauspieler\u201c. Wir kennen die Ikonographie dieser G\u00f6tter, wir kennen die Texte der ihnen gewidmeten Lobeshymnen, ihre Heiligt\u00fcmer haben uns erreicht, aber es gibt keine Legenden, in denen sie aktive Teilnehmer an den Ereignissen gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Handlungsstr\u00e4nge der \u00e4gyptischen Mythen selbst sind in der Regel nicht voller spannender Abenteuer: Sie werden von philosophischen G\u00f6tterdiskussionen und majest\u00e4tischen Monologen dominiert. Der Hauptinhalt sind nicht die Ereignisse, sondern der philosophische Subtext, der diesen Ereignissen zugrunde liegt. Mythen, wie Gedichte, symbolisch, in figurativer und k\u00fcnstlerischer Form, vermitteln die Vorstellungen der \u00c4gypter \u00fcber die Naturgesetze, \u00fcber Sch\u00f6nheit, \u00fcber den Sinn des Lebens, dar\u00fcber, was ihrer Vorstellung nach eine gerechte Staatsstruktur sein sollte. Die Mythen von Hellas sind mit dem gleichen Inhalt gef\u00fcllt, aber in ihnen wird er auf andere Weise vermittelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Voller akuter Ereignisse verherrlicht der hellenische Mythos die F\u00e4higkeiten des Menschen, seine F\u00e4higkeit, die Welt durch seine Aktivit\u00e4ten zu ver\u00e4ndern und zu verbessern. Der monumentale, statische Mythos des alten \u00c4gypten fordert den Menschen auf, mit der Natur zu verschmelzen, die etablierte weise Ordnung ein f\u00fcr alle Mal zu akzeptieren, sich ihr zu unterwerfen und nicht zu versuchen, etwas zu \u00e4ndern, denn jede Ver\u00e4nderung wird nur zum Schlechteren f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die f\u00fcr alle popul\u00e4ren mythologischen Sammlungen traditionelle Systematisierung des Materials in zwei Abschnitte \u2013 \u201eGeschichten \u00fcber G\u00f6tter\u201c und \u201eGeschichten \u00fcber Helden\u201c \u2013 ist f\u00fcr dieses Buch nicht geeignet: In der alt\u00e4gyptischen Mythologie geh\u00f6ren Helden, die Taten vollbringen, wie Herkules, nicht dazu Menschen noch unter G\u00f6ttern; Der \u00e4gyptische Mythos verherrlicht milit\u00e4risches K\u00f6nnen nicht. Es verherrlicht den Sch\u00f6pfer, Sch\u00f6pfer, Bewahrer und Verteidiger der Stabilit\u00e4t in der Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Verwaltung eines Landes, auch wenn es nicht sehr gro\u00df ist, sich aber \u00fcber tausend Kilometer erstreckt, erforderte die Schaffung eines umfassenden b\u00fcrokratischen Apparats mit einer streng hierarchischen Struktur, angefangen bei den kleinsten Chefs, die sich nicht viel von ihren Untergebenen unterschieden, und endete mit dem Wesir, der die Staatsmaschine leitete. Unter den Bedingungen einer starren b\u00fcrokratischen Hierarchie entwickelt sich ein gut entwickeltes gesellschaftliches Rollensystem, in dem nur gewissenhafter Dienst den Aufstieg auf eine h\u00f6here Ebene erm\u00f6glicht und die eingenommene Position als Kriterium f\u00fcr die Beurteilung einer Person dient.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies bedeutet keineswegs, dass Initiative unn\u00f6tig war \u2013 sie war f\u00fcr eine Karriere notwendig, lag aber innerhalb der engen Grenzen der beruflichen Verantwortung. In einer nach diesen Prinzipien organisierten Gesellschaft ist ein Held einfach gef\u00e4hrlich \u2013 jede seiner Aktivit\u00e4ten wird unweigerlich darauf abzielen, die so m\u00fchsam erreichte Ordnung zu zerst\u00f6ren und dadurch zur Schw\u00e4chung der Grundlagen des gesamten Universums zu f\u00fchren. Infolgedessen ist Heldentum aus dem \u00e4gyptischen Leben v\u00f6llig verdr\u00e4ngt. Ein ziemlich eigenartiges Denkmal erm\u00f6glicht es uns, dasselbe Problem aus einem etwas anderen Blickwinkel zu betrachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal schrieben die \u00c4gypter Briefe an ihre verstorbenen Verwandten und baten sie um Hilfe und F\u00fcrsprache. Und so beklagt sich die Witwe Irti bei ihrem toten Mann \u00fcber bestimmte Behezti und Anankhi, die ihr das Haus samt Einrichtung und Dienern weggenommen haben. Irti bittet ihren Mann, sich an den Schurken zu r\u00e4chen und daf\u00fcr alle seine toten Vorfahren wieder zum Leben zu erwecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es scheint, dass diese w\u00fctenden Toten die Schurken bestrafen oder zumindest gr\u00fcndlich erschrecken sollten, aber der \u00c4gypter kann sich eine solche Willk\u00fcr einfach nicht vorstellen \u2013 die F\u00fcrsprecher m\u00fcssen die T\u00e4ter verklagen, ihre Schuld beweisen und sie dadurch \u201est\u00fcrzen\u201c. Dieser kurze Text veranschaulicht gut die Atmosph\u00e4re der \u00e4gyptischen b\u00fcrokratischen Ordnung, in der selbst der Bereich des \u00dcbernat\u00fcrlichen so reguliert ist, dass selbst darin eine \u00fcber die Normen staatlicher Regulierung hinausgehende Handlung unm\u00f6glich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Handlung des gerade im Neuen Reich niedergeschriebenen Textes, der dem Kampf von Horus und Set um das Erbe des Osiris gewidmet ist, scheint perfekt zum Heldenmythos zu passen. Von Heldentum ist darin jedoch nichts zu sp\u00fcren. Obwohl die Charaktere untereinander k\u00e4mpfen, verlassen sie sich nicht auf St\u00e4rke, sondern auf verschiedene Zaubertricks; Die Frage nach dem Schicksal des Ranges Osiris wird nicht durch den Sieg einer der Parteien bestimmt, sondern durch die Entscheidung der Neun G\u00f6tter, die den Kampf beobachten. Diese erstaunliche B\u00fcrokratisierung des Mythos dient als hervorragende Illustration des \u00e4gyptischen Wertesystems dieser Zeit.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-447\" src=\"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/eg0102246.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"540\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die alt\u00e4gyptische Mythologie erfreut sich nicht so gro\u00dfer Beliebtheit wie die Mythologie des antiken Griechenlands, vor allem weil uns die Weltanschauung der alten Griechen unvergleichlich n\u00e4her steht. Hellenische Vorstellungen \u00fcber Sch\u00f6nheit, Gerechtigkeit, die ideale Staatsstruktur, die Hierarchie moralischer und ethischer Werte und vor allem das k\u00fcnstlerische Verst\u00e4ndnis und den Ausdruck all dieser Kategorien stimmen weitgehend mit bestimmten Analogien aus unserer Zeit oder aus uns relativ nahen Epochen \u00fcberein rechtzeitig. Daher ist der ideologische und semantische Subtext des griechischen&hellip;<\/p>\n<p> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/2024\/02\/01\/analyse-altaegyptischer-mythen\/\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":322,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29,25],"tags":[30,31],"class_list":{"0":"post-321","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-mythologie","8":"category-religion","9":"tag-aegypten","10":"tag-mythen"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/321","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=321"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/321\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1094,"href":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/321\/revisions\/1094"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-json\/wp\/v2\/media\/322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=321"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=321"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}