{"id":622,"date":"2024-07-04T14:51:05","date_gmt":"2024-07-04T11:51:05","guid":{"rendered":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/?p=622"},"modified":"2025-11-20T20:36:50","modified_gmt":"2025-11-20T17:36:50","slug":"gottfried-wilhelm-leibniz-mathematisierung-menschlichen-wissens-philosophische-analysis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/2024\/07\/04\/gottfried-wilhelm-leibniz-mathematisierung-menschlichen-wissens-philosophische-analysis\/","title":{"rendered":"Gottfried Wilhelm Leibniz. Mathematisierung menschlichen Wissens, philosophische Analysis"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span>Gottfried Wilhelm Leibniz wurde 1646 in Leipzig geboren. Schon in jungen Jahren zeigte er Interesse an Naturwissenschaften. Nach dem Schulabschluss setzte er seine Ausbildung an der Universit\u00e4t Leipzig (1661 &#8211; 1666) und der Universit\u00e4t Jena fort, wo er 1663 ein Semester verbrachte. Im selben Jahr verteidigte Leibniz unter der Leitung von J. Thomasius die wissenschaftliche Arbeit \u201e \u00dcber das Prinzip der Individuation\u201c (im Geiste des Nominalismus und in Vorwegnahme einiger Ideen seiner reifen Philosophie), was ihm einen Bachelor-Abschluss einbrachte. 1666 verfasste er in Leipzig eine philosophische Dissertation mit dem Titel \u201e\u00dcber die kombinatorische Kunst\u201c, in der er die Idee der Schaffung mathematischer Logik darlegte. Anfang 1667 wurde er Doktor der Rechtswissenschaften und legte eine Dissertation mit dem Titel \u201e\u00dcber verwickelte Gerichtsf\u00e4lle\u201c vor \u201c an der Universit\u00e4t Altdorf.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/2024\/07\/04\/gottfried-wilhelm-leibniz-mathematisierung-menschlichen-wissens-philosophische-analysis\/leibniz230624\/\" rel=\"attachment wp-att-623\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-623\" src=\"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/leibniz230624.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/leibniz230624.jpg 512w, https:\/\/planeta21vek.ru\/artemiada\/deu\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/leibniz230624-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\"><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Nachdem er seine Karriere als Universit\u00e4tsprofessor aufgegeben hatte, trat Leibniz 1668 in die Dienste des Mainzer Kurf\u00fcrsten. In diesem Dienst f\u00fchrte er vor allem Aufgaben juristischer Art aus, ohne jedoch die wissenschaftliche Forschung einzustellen. Im Jahr 1672 kam Leibniz auf diplomatischer Mission nach Paris und blieb dort bis 1676. Hier kommunizierte er viel mit Wissenschaftlern und Philosophen, arbeitete an mathematischen Problemen und entwarf einen Computer, der Pascals Rechenmaschine verbesserte. Im Jahr 1675 schuf Leibniz die Differential- und Integralrechnung und ver\u00f6ffentlichte die wichtigsten Ergebnisse seiner Entdeckung im Jahr 1684, vor I. Newton, der noch fr\u00fcher als Leibniz zu \u00e4hnlichen Ergebnissen gelangte, diese aber nicht ver\u00f6ffentlichte (obwohl einige davon offenbar waren Leibniz privat bekannt). In der Folge kam es zu diesem Thema zu einem langen Streit \u00fcber die Priorit\u00e4t der Entdeckung der Differentialrechnung. Im Jahr 1676 trat Leibniz, gezwungen, nach dauerhaften Einnahmequellen zu suchen, in den Dienst der hannoverschen Herz\u00f6ge, der etwa vierzig Jahre dauerte. Das Aufgabenspektrum von Leibniz war breit gef\u00e4chert \u2013 von der Vorbereitung dynastischer Materialien \u00fcber die Suche nach einer Grundlage f\u00fcr die Vereinigung verschiedener christlicher Konfessionen bis hin zum Entwurf von Pumpen zum Abpumpen von Wasser aus Bergwerken. Die meisten seiner Projekte wurden jedoch nicht abgeschlossen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Im Jahr 1686 schuf Leibniz den \u201eDiskurs \u00fcber die Metaphysik\u201c, der zu einer wichtigen Etappe seines Schaffens wurde, da er hier erstmals ganz vollst\u00e4ndig und systematisch die Prinzipien seiner philosophischen Lehre darlegte, obwohl dieses Werk noch keine Terminologie besa\u00df Vollst\u00e4ndigkeit, und es wurde erst nach seinem Tod Autor ver\u00f6ffentlicht. Die letzten f\u00fcnfzehn Lebensjahre von Leibniz erwiesen sich in philosophischer Hinsicht als \u00e4u\u00dferst fruchtbar. Im Jahr 1695 ver\u00f6ffentlichte er einen programmatischen Artikel \u201eEin neues System der Natur und der Kommunikation zwischen Substanzen sowie die Verbindung zwischen Seele und K\u00f6rper\u201c, der von der philosophischen Gemeinschaft nicht ignoriert wurde. Im Jahr 1705 schloss Leibniz die Arbeit an \u201eNew Essays on Human Understanding\u201c (erstmals ver\u00f6ffentlicht 1765) ab, einem einzigartigen Kommentar zu J. Lockes \u201eEssay on Human Understanding\u201c, und im Jahr 1710 ver\u00f6ffentlichte er \u201eEssays on Theodizee\u201c, eine Zusammenfassung eines optimistische Weltanschauung, schreibt Monadology (1714), eine kurze Abhandlung, die eine Zusammenfassung seiner Metaphysik enth\u00e4lt. Auch sein Briefwechsel mit N. Remon und dem Newtonianer S. Clarke ist wichtig f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der sp\u00e4teren Ideen von Leibniz.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Zu Leibniz\u2018 Lebzeiten wurden nicht viele seiner Werke ver\u00f6ffentlicht (er schrieb haupts\u00e4chlich auf Franz\u00f6sisch und Latein). Dennoch war er in wissenschaftlichen und politischen Kreisen eine sehr ber\u00fchmte Pers\u00f6nlichkeit. Er korrespondierte mit Hunderten verschiedener Menschen, leistete viel Organisationsarbeit und beteiligte sich an der Gr\u00fcndung mehrerer europ\u00e4ischer Akademien der Wissenschaften. Sein Tod im Jahr 1716 stie\u00df jedoch bei den wissenschaftlichen Fachgesellschaften auf wenig Resonanz, was teilweise auf die Folgen seines Rechtsstreits mit Newton zur\u00fcckzuf\u00fchren war.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Leibniz war ein au\u00dfergew\u00f6hnlich gebildeter Mann in der Philosophie und auf vielen wissenschaftlichen Gebieten. Den gr\u00f6\u00dften Einfluss auf ihn hatten die philosophischen Ideen von Descartes, Hobbes, Spinoza, Malebranche, Weyl und anderen, indem er einige Ideen von ihnen \u00fcbernahm und sich scharf von anderen distanzierte. Leibniz zeigte auch gro\u00dfes Interesse an der Antike und dem Mittelalter, was f\u00fcr einen modernen Philosophen untypisch war. Er sch\u00e4tzte insbesondere das scholastische Konzept der substantiellen Form, das auf die Entelechielehre des Aristoteles zur\u00fcckgeht, mit der Leibniz als Kind vertraut wurde. Doch als er etwa 15 Jahre alt war, orientierte er sich unter dem Einfluss der modernen Philosophie neu an modischen mechanistischen Ansichten und der Mathematik. Nachdem er jedoch begonnen hatte, \u201enach den letzten Grundlagen des Mechanismus und den Bewegungsgesetzen selbst zu suchen\u201c, \u201estellte er \u00fcberrascht fest, dass es unm\u00f6glich war, sie auf dem Gebiet der Mathematik zu finden und dass es notwendig war, sich der Metaphysik zuzuwenden\u201c ( 1: 1, 531). Dies f\u00fchrte ihn zu den aristotelischen Entelechien und der dynamischen Interpretation der Existenz zur\u00fcck, die zum Kern seiner ausgereiften Metaphysik wurden.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span>Philosophischer Kalk\u00fcl.<\/span><\/strong><span>\u00a0Ein weiteres spezifisches Merkmal von Leibniz\u2018 Philosophieren, das sich bereits in seiner Fr\u00fchzeit manifestierte, war der Wunsch dieses Denkers, menschliches Wissen zu mathematisieren, indem er einen universellen \u201ephilosophischen Kalk\u00fcl\u201c konstruierte, der es erm\u00f6glichte, selbst die komplexesten Probleme durch einfache arithmetische Operationen zu l\u00f6sen. Bei Streitigkeiten m\u00fcssten Philosophen \u201enur die Feder in die Hand nehmen, sich an ihr Z\u00e4hlbrett setzen und einander (wie in einer freundschaftlichen Einladung) sagen: Lasst uns z\u00e4hlen!\u201c (1:3, 497). Der philosophische Kalk\u00fcl sollte sowohl bei der Formalisierung des vorhandenen Wissens helfen (Leibniz legte besonderen Wert auf die Mathematisierung der Syllogistik) als auch bei der Entdeckung neuer Wahrheiten (er zog eine Parallele zu Bacons induktiver Logik und glaubte, dass dieser Kalk\u00fcl ein \u201eneues Organon\u201c werden k\u00f6nnte \u201c) sowie bei der Definition von Wahrscheinlichkeitsgraden empirischer Hypothesen. Die Grundlage der philosophischen Infinitesimalrechnung ist die \u201eKunst der Charakterisierung\u201c, d. h. das Finden von Symbolen (Leibniz stellte sie sich in Form von Zahlen oder Hieroglyphen vor), die dem Wesen der Dinge entsprechen, und sie durch Wissen zu ersetzen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span>Methodik.<\/span><\/strong><span>\u00a0Leibniz verband seine innovative Suche nach den Grundlagen der philosophischen Infinitesimalrechnung, die jedoch keine wirklichen Ergebnisse brachte, mit der Konstruktion einer traditionelleren Methodik. In methodischen Fragen strebte er eine ausgewogene Position an und versuchte, gegens\u00e4tzliche Ans\u00e4tze in Einklang zu bringen. Er hielt es f\u00fcr notwendig, experimentelles Wissen mit rationalen Argumenten, Analyse mit Synthese, das Studium mechanischer Ursachen mit der Suche nach Zielgr\u00fcnden zu verbinden. Bezeichnend ist Leibniz\u2018 Haltung gegen\u00fcber der empiristischen Position von J. Locke, dass alle menschlichen Ideen aus Erfahrung entstehen, und dem ber\u00fchmten Grundsatz \u201eEs gibt nichts im Geist, was nicht zuvor in den Sinnen war\u201c. Leibniz erg\u00e4nzt es mit einem rationalistischen Satz: \u201eAu\u00dfer der Vernunft selbst.\u201c Der Geist enth\u00e4lt angeborene Wahrheiten, nicht in vorgefertigter Form, sondern als bestimmte Anlagen oder Dispositionen, die mit den Adern in einem Marmorblock verglichen werden k\u00f6nnen, entlang derer ein K\u00fcnstler eine Skulptur schnitzen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Descartes interpretierte die Natur angeborener Ideen in \u00e4hnlicher Weise. Aber auch seine rationalistische Linie wird von Leibniz modifiziert. Er h\u00e4lt das kartesische Konzept der Selbstevidenz heuristisch f\u00fcr ungeeignet als Kriterium der Wahrheit und schl\u00e4gt vor, sich im Wissen auf die logischen Prinzipien der Identit\u00e4t (oder des Widerspruchs) und des hinreichenden Grundes zu st\u00fctzen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Das Prinzip des \u201eWiderspruchs oder der Identit\u00e4t, das hei\u00dft der Satz, dass ein Satz nicht gleichzeitig wahr und falsch sein kann, dass daher A A ist und nicht = A sein kann\u201c (1:1, 433), ist , nach Leibniz, die allgemeine Formel der \u201eWahrheiten der Vernunft\u201c, ein Beispiel daf\u00fcr ist das Gesetz der Identit\u00e4t selbst, geometrische Axiome usw. Die Wahrheiten der Vernunft sind so beschaffen, dass das Gegenteil von ihnen unm\u00f6glich ist, das hei\u00dft, sie enth\u00e4lt ein Widerspruch und kann nicht klar gedacht werden. Sie dr\u00fccken \u201eabsolute\u201c oder \u201emetaphysische\u201c Notwendigkeit aus. Tatsachenwahrheiten, zum Beispiel \u201eMorgen geht die Sonne auf\u201c, sind mit \u201ephysischer\u201c oder \u201emoralischer\u201c Notwendigkeit verbunden und k\u00f6nnen aus dem Prinzip der \u201eausreichenden Vernunft\u201c erkl\u00e4rt werden, \u201eaufgrund dessen wir erkennen, dass kein Ph\u00e4nomen dies kann.\u201c Sei wahr oder wahr.\u201c Keine einzige Aussage ist gerecht ohne hinreichenden Grund, warum die Dinge so sind und nicht anders\u201c (1: 1, 418). Da die Wahrheiten einer Tatsache nicht authentisch sind und in Bezug auf sie immer das Gegenteil gedacht werden kann, muss ihre Wahrheit auf einer externen Grundlage beruhen. Eine solche Grundlage kann beispielsweise die Betrachtung des gegenw\u00e4rtigen Sachverhalts sein oder, wenn wir nicht \u00fcber ein gegenw\u00e4rtiges, sondern \u00fcber ein tats\u00e4chlich nicht beobachtetes Ereignis urteilen, die \u00dcbereinstimmung dieses Ereignisses mit einigen Naturgesetzen oder dem Prinzip des Das Beste, was wiederum durch eine h\u00f6here Grundlage erkl\u00e4rt werden kann, n\u00e4mlich Gott, das allvollkommene Wesen. Eine seiner Vollkommenheiten ist die G\u00fcte, und wenn Gott eine Welt erschaffen w\u00fcrde, die nicht den Kriterien des Besten entspr\u00e4che, w\u00fcrde er dies entgegen seinem guten Willen tun. Er kann jedoch keinen Grund haben, diesem Willen nicht zu folgen. Daher kann die Welt als Sch\u00f6pfung eines guten Gottes nur die beste aller m\u00f6glichen Welten sein.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span>Leibniz\u2018 Lehre von unserer Welt als der besten aller m\u00f6glichen Welten<\/span><\/strong><span>\u00a0hat schon immer viele Kontroversen und Einw\u00e4nde hervorgerufen. Um dies zu kl\u00e4ren, m\u00fcssen einige grundlegende Punkte gekl\u00e4rt werden. Unter einer m\u00f6glichen Welt versteht Leibniz zun\u00e4chst eine bestimmte Menge von Dingen, deren Gedanke keine Widerspr\u00fcche enth\u00e4lt. Alles, was nicht widerspr\u00fcchlich ist, ist m\u00f6glich. Die Zahl der m\u00f6glichen Welten ist unkalkulierbar. Diese Welten k\u00f6nnen sich in zwei Hauptparametern voneinander unterscheiden \u2013 Ordnung und Vielfalt. Diese Optionen schlie\u00dfen sich gegenseitig nicht aus. Die beste Welt ist die, in der sich die gr\u00f6\u00dfte Vielfalt mit der h\u00f6chsten Ordnung verbindet. Eine solche Welt enth\u00e4lt Zweckm\u00e4\u00dfigkeit und universelle Harmonie. Diese Welt wurde von einem allg\u00fctigen Wesen, Gott, zur Sch\u00f6pfung ausgew\u00e4hlt. Aber ist unsere Welt wirklich die Sch\u00f6pfung Gottes? Die Antwort auf diese Frage beinhaltet den Beweis der Existenz Gottes. Dazu greift Leibniz erneut auf das Prinzip der hinreichenden Vernunft zur\u00fcck und argumentiert, dass Gott die hinreichende Vernunft unserer Welt ist. Die Welt existiert, aber ihre Existenz ist nicht notwendig, was bedeutet, dass sie eine \u00e4u\u00dfere Grundlage haben muss, die sich als Gott herausstellt. Leibniz bringt auch seine Bereitschaft zum Ausdruck, die \u00fcberarbeitete ontologische Argumentation zu unterst\u00fctzen. Er akzeptiert die Logik dieses Beweises, der aus dem Konzept von Gott als einem allvollkommenen Wesen die These ableitet, dass ein solches Wesen nicht anders existieren kann, da es sonst seiner Allvollkommenheit beraubt w\u00e4re, stellt jedoch fest, dass eine notwendige Bedingung daf\u00fcr ist Die Richtigkeit dieser Schlussfolgerung liegt in der Konsistenz des Gottesbegriffs. Denn wenn es widerspr\u00fcchlich ist, kann es v\u00f6llig an Wert verlieren. Leibniz sieht in dieser Angelegenheit jedoch keine gro\u00dfen Schwierigkeiten. Die Konsistenz des Gottesbegriffs zeigt sich seiner Meinung nach darin, dass dieser Begriff nur aus positiven Pr\u00e4dikaten besteht. Es ist jedoch merkw\u00fcrdig, dass Leibniz, obwohl er sich der Widerspr\u00fcchlichkeit solch einschr\u00e4nkender Konzepte wie \u201edie gr\u00f6\u00dfte Zahl\u201c oder \u201edie schnellste Bewegung\u201c v\u00f6llig bewusst ist, nicht die Tatsache betont, dass das Konzept eines vollkommenen Wesens nicht weniger problematisch sein kann mit Widerspr\u00fcchen. Tats\u00e4chlich hat Nikolaus von Kues deutlich gezeigt, dass im Absoluten Gegens\u00e4tze zusammenfallen, A sich als identisch nicht = A herausstellt. Nikolaus selbst hatte jedoch keine Angst vor diesen Schlussfolgerungen, die im Rahmen seiner Lehre von tats\u00e4chlich mehr oder weniger akzeptabel waren \u201ewissenschaftliche Ignoranz.\u201c Aber sie stellen eine echte Bedrohung f\u00fcr Leibniz\u2018 kataphatische und anthropomorphe Theologie dar.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Einige Zeitgenossen von Leibniz glaubten jedoch, dass es nicht n\u00f6tig sei, auf solche metaphysischen Feinheiten einzugehen, um seine Lehre von der Existenz Gottes und der besten Welt zu untergraben. Sie sagten, das Leben selbst, voller Katastrophen und Leid, zeuge gegen Leibniz. Kann man eine Welt, in der es so viel B\u00f6ses gibt, als die beste bezeichnen? Als Antwort auf solche Einw\u00e4nde brachte Leibniz eine ganze Reihe von Argumenten vor. Erstens ist unsere Welt zwar unvollkommen, was jedoch nicht im Widerspruch zu ihrer Optimalit\u00e4t steht. Schlie\u00dflich kann selbst ein vollkommenes Wesen keine Welt ohne Unvollkommenheiten erschaffen. Eine solche Welt w\u00fcrde einfach Gott reproduzieren und w\u00e4re nicht seine Sch\u00f6pfung. Zweitens kommen die Unvollkommenheiten der Welt letztendlich allen Dingen zugute und \u201edie beste Wahl ist nicht immer mit der Beseitigung des B\u00f6sen verbunden, denn es ist m\u00f6glich, dass das B\u00f6se mit dem gr\u00f6\u00dften Guten einhergeht\u201c (1:4, 402 \u2013 403). Drittens tendieren Menschen dazu, sich selbst in den Mittelpunkt des Universums zu stellen, wenn sie \u00fcber Katastrophen und Leid sprechen, was nicht ganz gerechtfertigt ist. Wenn man die Welt aus einer allgemeineren Perspektive betrachtet, sieht sie nicht so schrecklich aus. Viertens d\u00fcrfen wir nicht vergessen, dass die Welt nicht stillsteht, sondern sich entwickelt und auf die Perfektion zusteuert. F\u00fcnftens ist Gott auf keinen Fall f\u00fcr das B\u00f6se verantwortlich. Das B\u00f6se kann metaphysisch, physisch und moralisch sein. Das metaphysische B\u00f6se ist eine ontologische Unvollkommenheit; es kann nicht vermieden werden, obwohl es minimiert werden kann, was Gott tut. Physisches \u00dcbel ist Schmerz und Leid. Moral ist S\u00fcnde. Menschen bringen sie oft selbst mit sich.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Somit sind die Menschen zum Teil selbst f\u00fcr das B\u00f6se und das Leid verantwortlich; dies ist die Bezahlung f\u00fcr die Freiheit, die Gott ihnen geschenkt hat. Leibniz ist ein konsequenter Gegner des Fatalismus und der Lehre von der metaphysischen Notwendigkeit bei der Bestimmung des menschlichen Willens. Er erkl\u00e4rt ausf\u00fchrlich, dass die Willensentscheidungen einer Person zwar nicht unbegr\u00fcndet sein und einer \u201emoralischen Notwendigkeit\u201c unterliegen k\u00f6nnen, dies aber nicht bedeutet, dass ihr Wille nicht frei ist. Denn Freiheit setzt voraus, dass der Mensch die M\u00f6glichkeit hat, anders zu handeln, und diese M\u00f6glichkeit besteht im freiwilligen Handeln.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Indem man sich f\u00fcr das Gute entscheidet, also maximal zur Verbesserung von sich selbst und anderen beitr\u00e4gt, dadurch Liebe zu Gott zeigt und das Menschliche zum G\u00f6ttlichen erhebt, bleibt der Mensch laut Leibniz nicht ohne Belohnung. Schlie\u00dflich gibt es in unserer Welt eine \u201evorher festgelegte Harmonie\u201c zwischen Tugend und Gl\u00fcckseligkeit. Dieses Konzept der \u201evorher festgelegten Harmonie\u201c wurde zu einer Art Visitenkarte der Leibnizschen Philosophie. Leibniz hielt es f\u00fcr eine au\u00dferordentlich erfolgreiche Erfindung. Das Hauptanwendungsgebiet des Konzepts einer solchen Harmonie war zun\u00e4chst ein psychophysisches Problem. Damals wie auch heute gab es heftige Debatten dar\u00fcber, wie das Geistige dem Physischen entsprechen k\u00f6nne. Besonders beliebt war die Gelegenheitstheorie von N. Malebranche, nach der Seele und K\u00f6rper nicht direkt interagieren k\u00f6nnen und die psychophysische Entsprechung von Gott gew\u00e4hrleistet wird, der k\u00f6rperliche und geistige Ver\u00e4nderungen \u00fcberwacht. Leibniz kritisierte dieses Konzept und argumentierte, dass der st\u00e4ndige Eingriff Gottes in die Natur zu der absurden Situation eines dauerhaften Wunders f\u00fchre. Er schlug vor, den Gelegenheitsismus durch eine Theorie zu ersetzen, die besagt, dass Gott bereits bei der Erschaffung der Welt Seelen und K\u00f6rper so koordinierte, dass sie ohne zus\u00e4tzliches Eingreifen seinerseits auf nat\u00fcrliche Weise miteinander korrespondierten. Diese Theorie wird als Lehre von der vorher festgelegten Harmonie bezeichnet. Leibniz stellte ihm nicht nur den Okkasionalismus gegen\u00fcber, sondern auch das Konzept des \u201ephysischen Einflusses\u201c, wonach die Seele den K\u00f6rper direkt beeinflussen kann und umgekehrt. Descartes neigte zu dieser Ansicht, aber Leibniz argumentierte, dass dies nur daran lag, dass er f\u00e4lschlicherweise glaubte, dass die Seele die Bewegungsrichtung der kleinsten Teilchen im Gehirn \u00e4ndern k\u00f6nne, ohne das Gesetz der Kr\u00e4fteerhaltung zu verletzen. In Wirklichkeit ist dies unm\u00f6glich, und das Verst\u00e4ndnis dieses Umstands f\u00fchrt seiner Meinung nach direkt zur Theorie der vorher festgelegten Harmonie zwischen Seele und K\u00f6rper. Diese Harmonie kann sogar als Argument f\u00fcr die Existenz Gottes interpretiert werden, kann aber ebenso als Konsequenz der These von der Existenz eines allg\u00fctigen Sch\u00f6pfers gesehen werden.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Aber in jedem Fall betrifft die vorherrschende Harmonie nicht nur K\u00f6rper und Seele. Es hat einen universellen Charakter. Um die Einzelheiten dieser universellen Entsprechung zu kl\u00e4ren, entwickelte Leibniz eine originelle ontologische Theorie namens Monadologie.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span>Monadologie.<\/span><\/strong><span>\u00a0Obwohl Leibniz auf schwierigen Wegen zur Monadologie gelangte und Daten aus einer Vielzahl von Wissenschaften, von der Physik bis zur Biologie, verallgemeinerte, nimmt er in einer systematischen Darstellung der Monadenlehre die unbestrittene Tatsache der Existenz komplexer Dinge als Ausgangspunkt. Der Komplex muss aus dem Einfachen bestehen, und Monaden sind nichts anderes als einfache Substanzen, Seinseinheiten. Sie sind teilelos, also immateriell, und k\u00f6nnen als spirituelle Atome bezeichnet werden. Das bedeutet, dass sie nicht verfallen und auf nat\u00fcrliche Weise nicht mehr existieren k\u00f6nnen. Daraus folgt jedoch nicht, dass Monaden unver\u00e4nderlich sind. Die Erfahrung zeigt, dass sich auf der Welt st\u00e4ndig etwas ver\u00e4ndert. Diese Ver\u00e4nderungen m\u00fcssen mit Monaden in Verbindung gebracht werden, da au\u00dfer ihnen nichts auf der Welt existiert. Ver\u00e4nderungen in Monaden k\u00f6nnen nicht in \u00e4u\u00dferen Bewegungen bestehen, da Monaden nicht im Raum lokalisiert sind. Dies bedeutet, dass Ver\u00e4nderungen innerhalb der Monaden selbst stattfinden und durch interne Gr\u00fcnde verursacht werden m\u00fcssen, da sie \u201ekeine Fenster\u201c haben und nicht wirklich mit anderen Monaden interagieren k\u00f6nnen. Daher sind sie keineswegs leblose Elemente der Existenz, sondern unersch\u00f6pfliche Energiequellen , terminologisch aktualisierte Erben substantiver Formen und aristotelischer Entelechien. Obwohl sie keine Teile haben, haben sie eine innere Struktur. Sie k\u00f6nnen sich in unterschiedlichen Zust\u00e4nden befinden und diese unter dem Einfluss von Bestrebungen und \u201eAppetzen\u201c ver\u00e4ndern. Zust\u00e4nde oder \u201eWahrnehmungen\u201c, d. h. Wahrnehmungen von Monaden, existieren im Gegensatz zu Teilen einer komplexen Sache nicht f\u00fcr sich allein und heben daher nicht die Einfachheit der Substanz auf. Diese Zust\u00e4nde k\u00f6nnen in Monaden nicht aus dem Nichts entstehen; man muss vielmehr davon ausgehen, dass sie ihnen von Zeit zu Zeit innewohnen, aber vorerst zusammenbrechen. Die Entfaltung der Monadenzust\u00e4nde erfolgt nach dem Gesetz der Kontinuit\u00e4t, ohne Spr\u00fcnge, nach einer Art Zeitplan, den Gott bei der Erschaffung der Welt f\u00fcr jede Monade aufgestellt hat.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Im Prinzip k\u00f6nnten die Zust\u00e4nde jeder der zahllosen Monaden v\u00f6llig unkoordiniert sein. Aber eine solche Welt w\u00e4re nicht die beste; die unersch\u00f6pfliche Vielfalt w\u00fcrde darin keine Anzeichen von Einheit und Ordnung offenbaren. Um die Optimalit\u00e4tskriterien zu erf\u00fcllen, musste Gott erstens sicherstellen, dass jede Monade einzigartig war (es kann nicht zwei identische Dinge auf der Welt geben \u2013 Leibniz\u2018 ber\u00fchmtes Prinzip der \u201eIdentit\u00e4t der Ununterscheidbaren\u201c), und zweitens die Monaden so programmieren, dass ihre Staaten harmonierten f\u00fcr immer miteinander. Somit gibt es in unserer Welt eine vorher festgelegte Harmonie zwischen den Wahrnehmungen der Monaden.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Die Existenz dieser Harmonie l\u00e4sst sich anhand eines einfachen Beispiels veranschaulichen (wenn auch nicht beweisen). Nehmen wir an, zwei Menschen stehen nebeneinander und beobachten den Sonnenaufgang. Ihre Wahrnehmungen sind konsistent, aber wie l\u00e4sst sich diese \u00dcbereinstimmung erkl\u00e4ren? Wahrnehmungen sind Geisteszust\u00e4nde, Seelenzust\u00e4nde. Jede Seele ist eine Monade. Sie sind unabh\u00e4ngig voneinander und die \u00c4nderung ihrer Zust\u00e4nde wird durch eine Kette hinreichender Gr\u00fcnde bestimmt, die sich seit der Erschaffung der Welt erstreckt, denn Seelen leben wie alle Monaden ewig, auch wenn sie sich m\u00f6glicherweise nicht an die Vergangenheit erinnern. Doch wie kommt es, dass voneinander unabh\u00e4ngige Monaden die Welt so wahrnehmen, als w\u00fcrde sie sie wirklich beeinflussen? Man kann nicht sagen, dass sie den Sonnenaufgang wahrnehmen, weil er sie mit seinen Strahlen beleuchtet \u2013 weder die Sonne noch irgendetwas anderes kann die Monaden wirklich beeinflussen, und die Sonne selbst ist die Wahrnehmung solcher Monaden. Und obwohl hinter der Wahrnehmung der Sonne etwas ganz Reales steckt, eine Art Ansammlung von Monaden, k\u00f6nnen sie andere Monaden dennoch nicht direkt beeinflussen. Mit einem Wort, die \u00dcbereinstimmung der Wahrnehmungen der Menschen \u2013 vorausgesetzt, dass alle getroffenen Annahmen wahr sind \u2013 kann nur durch die anf\u00e4ngliche Koordination ihres monadischen Lebens erkl\u00e4rt werden, die Synchronisierung dieser \u201espirituellen Automaten\u201c, bei denen Gott als Weltuhrmacher fungiert und aufzieht Verschiedene Uhren, damit sie die gleiche Zeit anzeigen. Die Theorie von Leibniz erschien vielen fantastisch, da sie davon ausging, dass Gott zun\u00e4chst unz\u00e4hlige Faktoren ber\u00fccksichtigte, die den weiteren Verlauf der Dinge beeinflussten. Dieser Nachteil des Konzepts der vorgefertigten Harmonie wurde beispielsweise von dem ber\u00fchmten franz\u00f6sischen Skeptiker P. Bayle festgestellt. Leibniz antwortete jedoch witzig, dass es keine wirkliche Aufgabe gibt, die f\u00fcr Gott zu schwierig w\u00e4re, und dass das Beste in dieser Hinsicht gerade das theologische Konzept ist, das den g\u00f6ttlichen Intellekt so weit wie m\u00f6glich erhebt.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Die Harmonie der Wahrnehmungen der Monaden schafft das Ph\u00e4nomen einer einzigen Welt und macht alle Monaden zu \u201elebendigen Spiegeln des Universums\u201c. Aber diese Spiegel sind nat\u00fcrlich nicht gleich. Der Aufstieg auf die Stufen der Vollkommenheit der Monadenpyramide entspricht einer Steigerung der Klarheit und Deutlichkeit ihrer Wahrnehmungen. Je ausgepr\u00e4gter die Wahrnehmung der Monaden, je weniger passiv sie sind, desto mehr Aktivit\u00e4t kann ihnen zugeschrieben werden (obwohl in gewissem Sinne alle Monaden gleicherma\u00dfen aktiv sind). Das Fundament dieser Pyramide besteht aus unz\u00e4hligen \u201eEinheiten\u201c, schlafenden Monaden, denen es an entwickelten \u00fcbersinnlichen F\u00e4higkeiten und klaren Wahrnehmungen mangelt. \u00dcber ihnen befinden sich Tierseelen mit Gef\u00fchl, Ged\u00e4chtnis, Vorstellungskraft und einem Analogon der Vernunft, deren Natur darin besteht, \u00e4hnliche F\u00e4lle vorwegzunehmen. Die n\u00e4chste Stufe in der Welt der Monaden sind menschliche Seelen. Zus\u00e4tzlich zu den aufgef\u00fchrten F\u00e4higkeiten ist eine Person auch mit Bewusstsein oder \u201eApperzeption\u201c ausgestattet.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Der bewusste Aspekt der menschlichen Existenz sollte jedoch nicht \u00fcberbewertet werden. Leibniz kritisiert Descartes, der die Existenz unbewusster Geisteszust\u00e4nde leugnete. In Wirklichkeit gehen bewusste Wahrnehmungen im Ozean des Unbewussten verloren. Unbewusste Zust\u00e4nde sind aufgrund ihrer \u201eKleinheit\u201c solche. Eine Person bemerkt sie einfach nicht. Manchmal f\u00fchrt dies dazu, dass sie die Macht \u00fcber seinen Willen an sich rei\u00dfen \u2013 Leibniz geht konkret auf den Einfluss unbewusster Faktoren auf das menschliche Verhalten ein. Und doch zeichnen sich menschliche Seelen gerade durch das Vorhandensein von Bewusstsein, Wahrnehmung und anderen h\u00f6heren F\u00e4higkeiten, Vernunft (Entendement) und Vernunft (Raison) aus. Sie erm\u00f6glichen es dem Menschen, die Dinge klar zu verstehen, sie schl\u00fcssig zu beurteilen und er\u00f6ffnen ihm die Sph\u00e4re der ewigen Wahrheiten, der moralischen Gesetze und Gottes selbst, der an der Spitze der Monadenpyramide steht.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Die Offenheit Gottes gegen\u00fcber dem Geist der Menschen unterscheidet ihre Seelen von anderen Monaden. Leibniz bezeichnet menschliche Seelen und \u00e4hnliche Substanzen als Geister. Im Gegensatz zu anderen Monaden, die die Welt und nicht Gott widerspiegeln, dr\u00fccken Geister \u201eeher Gott als die Welt aus\u201c (1:1, 162). Sie sind B\u00fcrger der Stadt Gottes und k\u00f6nnen nicht nur auf ewige Existenz hoffen, sondern auch darauf, dass Gott ihr Selbst, ihre mit sich selbst identische Pers\u00f6nlichkeit bewahrt.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Gott, dieser \u201eabsolute Monarch\u201c der spirituellen Gemeinschaft, ist wie jede von ihm geschaffene Monade dreifach. Die subjektive Grundlage darin entspricht der Allmacht, von der sogar die M\u00f6glichkeit der Dinge abh\u00e4ngt, den Wahrnehmungen \u2013 der Allwissenheit, dem Streben \u2013 dem guten Willen, ohne den die Dinge keine wirkliche Existenz erlangen k\u00f6nnen. Diese drei Eigenschaften entsprechen den drei Hypostasen der christlichen Gottheit, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Gott ist laut Leibniz eine v\u00f6llig einzigartige Monade. Erstens unterst\u00fctzt er andere Monaden, und ihre Existenz h\u00e4ngt von Gott ab, und zweitens: \u201eGott allein ist v\u00f6llig frei vom K\u00f6rper\u201c (1:1, 426). Diese These warf in der weiteren Geschichte der Philosophie zahlreiche Fragen auf. Warum sollten eigentlich andere Monaden mit K\u00f6rpern in Verbindung gebracht werden? Schlie\u00dflich sind sie im Prinzip von allem au\u00dfer Gott isoliert und k\u00f6nnen die Welt repr\u00e4sentieren, auch wenn diese Welt \u00fcberhaupt nicht existiert. Dennoch beharrt Leibniz auf sich selbst, obwohl er, um seine Position mit der These von der nat\u00fcrlichen Unsterblichkeit der Monaden in Einklang zu bringen, k\u00fchne Hypothesen erfinden muss, etwa die Annahme einer gewissen \u201eKoagulation\u201c des K\u00f6rpers nach dem Tod eines Lebenden Sein.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span>Die Lehre von der Materie.<\/span><\/strong><span>\u00a0Der Begriff der K\u00f6rperlichkeit und Materialit\u00e4t ist nat\u00fcrlich nicht selbstverst\u00e4ndlich und Leibniz hat versucht, ihn zu kl\u00e4ren. Er leugnete die reale Existenz einer besonderen K\u00f6rpersubstanz, also der Materie in der Form, in der sie den menschlichen Sinnen in der Erfahrung erscheint. Materie ist nur ein \u201ebegr\u00fcndetes\u201c Ph\u00e4nomen, da ihr reale Monaden entsprechen. Dies gilt auch f\u00fcr das Hauptph\u00e4nomen jeder Monade \u2013 das Ph\u00e4nomen ihres eigenen K\u00f6rpers. Der K\u00f6rper, so argumentiert Leibniz, ist der Zustand der Monaden, und die Seele ist die zentrale Monade in der Rolle ihres \u201eidealen\u201c Herrschers. Untergeordnete Monaden selbst sind Zentren f\u00fcr andere Monaden, und diese f\u00fcr andere und so weiter bis ins Unendliche. Was wie leblose Materie erscheint, ist in Wirklichkeit voller Leben. Die Besonderheit des Ph\u00e4nomens der Materie erkl\u00e4rt sich aus der Unvollkommenheit der geschaffenen Monaden. K\u00f6rperlichkeit, Materialit\u00e4t zeichnet sich durch Tr\u00e4gheit und Undurchdringlichkeit aus, und was ist das anderes als ein Spiegelbild der Beschr\u00e4nkungen wahrnehmender Entit\u00e4ten? Wenn sie perfekt w\u00e4ren, w\u00fcrde die Welt in ihrer Wahrnehmung in einer grundlegend anderen Form erscheinen: Die Materie w\u00fcrde verschwinden und nur aktive Einheiten, Monaden, w\u00fcrden \u00fcbrig bleiben.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>So sieht Gott die Welt. Das Verschwinden des Ph\u00e4nomens der kontinuierlichen, tr\u00e4gen und undurchdringlichen Materie m\u00fcsste mit der Umwandlung der Sensibilit\u00e4t der Monaden in Vernunft einhergehen. Schlie\u00dflich sind in den Gef\u00fchlen dieselben Monaden gegeben wie im Intellekt, aber undeutlich. Daher sehen wir in der Sinneswahrnehmung keine diskreten monadischen Strukturen des realen Seins, sondern betrachten eine kontinuierliche Umgebung, in der diese Strukturen zu vagen, undurchdringlichen Bildern verschmelzen. Aber auch die Sinneswahrnehmung erm\u00f6glicht es uns, Dinge zu unterscheiden. Mit anderen Worten: Es liegt eine gewisse Klarheit darin. Seine Zunahme f\u00fchrt zur Entstehung eindeutiger Ideen, wenn nicht nur die Konturen der Dinge unterschieden werden k\u00f6nnen, sondern auch ihre diskrete Struktur, die es erm\u00f6glicht, Merkmale zu identifizieren, die diese Dinge von anderen unterscheiden. Ph\u00e4nomene verwandeln sich in Noumena, Sinnlichkeit in Vernunft. Neben eindeutigen Ideen l\u00e4sst Leibniz auch die Existenz ad\u00e4quater Ideen zu. Als ad\u00e4quat wird eine Idee bezeichnet, in der es nichts Unklares gibt, wie in der Idee der Zahl. Aber nur im Denken Gottes gibt es nichts als intuitive ad\u00e4quate Ideen. Andere Monaden sind unvollkommen und k\u00f6nnen nicht v\u00f6llig frei von Sensibilit\u00e4t sein, es sei denn, es handelt sich um die primitivsten Monaden, die in der Dunkelheit unklarer Wahrnehmungen existieren.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Es kann nicht behauptet werden, dass Leibniz diese Lehre von Sinnlichkeit und Vernunft im Detail ausgearbeitet hat. Aber dank seiner Unterst\u00fctzer wurde es fest mit seinem Namen verbunden. Dies geschah auch mit anderen Theorien von Leibniz. Generell kann man \u00fcber Leibniz\u2018 System nur mit gro\u00dfen Vorbehalten sprechen. Es handelt sich vielmehr um eine Streuung von Ideen, und der Kontrast zwischen der Extravaganz einiger seiner theoretischen Konstruktionen und der strengen wissenschaftlichen Methodik, der Leibniz in seinen Werken zu folgen versuchte, erregt Aufmerksamkeit. Zwar bedeutet der \u201ewissenschaftliche\u201c Charakter der Leibniz-Methodik nicht, dass sie v\u00f6llig fehlerfrei ist. Schon zu Leibniz&#8216; Zeiten machten seine Gegner auf gewisse innere Ungereimtheiten aufmerksam.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Auf den ersten Blick erscheinen die methodischen Werkzeuge von Leibniz einfach und logisch. Es gibt zwei \u201egro\u00dfe Prinzipien\u201c, das Gesetz der Identit\u00e4t und das Gesetz der hinreichenden Vernunft, die es erm\u00f6glichen, alles Existierende zu erkl\u00e4ren und alle Wahrheiten der Vernunft und Tatsachen zu rechtfertigen. Doch hinter dem Schein der Einfachheit verbergen sich Probleme. Die Achillesferse der Leibnizschen Methodik ist vielleicht die Frage, welche Art von Wahrheit das Gesetz von der Notwendigkeit hinreichender Vernunft zum Ausdruck bringt. Wenn es sich um eine Tatsachenwahrheit handelt, dann steckt darin ein Element des Zufalls, und wie sich aus der auf eine bestimmte Situation angewendeten Definition von Tatsachenwahrheiten ergibt, ist die Existenz von etwas ohne hinreichenden Grund denkbar. Um von der Falschheit einer solchen Annahme \u00fcberzeugt zu werden, ohne die es unm\u00f6glich ist, die Wahrheit des Gesetzes vom hinreichenden Grund zu behaupten, ist es notwendig, entweder 1) die M\u00f6glichkeit zu erkennen, f\u00fcr alles, was existiert, empirisch hinreichende Gr\u00fcnde zu erkennen, oder 2) zu sagen, dass die Annahme der Existenz von Dingen oder Ereignissen ohne ausreichende Grundlage keine ausreichende Grundlage hat. Das erste ist jedoch unwirklich, und das zweite setzt die Wahrheit des Gesetzes vom hinreichenden Grund voraus, die noch bewiesen werden muss, d. h. es entsteht ein logischer Zirkel. Wenn wir das Gesetz der hinreichenden Vernunft als eine Wahrheit der Vernunft betrachten, stellt sich heraus, dass es sich nicht um ein unabh\u00e4ngiges, sondern um ein abgeleitetes Prinzip handelt \u2013 alle Wahrheiten der Vernunft h\u00e4ngen vom Gesetz der Identit\u00e4t ab.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Das Problem, den erkenntnistheoretischen Stellenwert des Gesetzes der hinreichenden Vernunft zu finden, veranlasste Kant Ende des 18. Jahrhunderts. Geben Sie die Dichotomie von Vernunftwahrheiten und Tatsachenwahrheiten auf und lassen Sie die Existenz besonderer Wahrheiten zu, die durch \u201esynthetische Urteile a priori\u201c ausgedr\u00fcckt werden. Die orthodoxen Anh\u00e4nger von Leibniz, die zwischen der Interpretation dieses Gesetzes als Wahrheit der Vernunft und als Wahrheit der Tatsachen w\u00e4hlten, neigten dennoch zur ersten von beiden, da sie glaubten, dass es besser sei, die Unabh\u00e4ngigkeit des Gesetzes der hinreichenden Vernunft zu verlieren, als es zu untergraben Anspr\u00fcche auf Wahrheit. Stimmt, bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Hume widerlegte direkt die These, dass das Gesetz der Notwendigkeit hinreichender Vernunft als Wahrheit der Vernunft interpretiert werden kann. Aber die fr\u00fchen Leibnizianer wussten noch nichts von Hume. Und indem sie dieses Gesetz auf das Gesetz der Identit\u00e4t reduzierten, folgten sie gewisserma\u00dfen den Anweisungen von Leibniz selbst, der deutlich machte, dass f\u00fcr den menschlichen Geist die Tatsachenwahrheiten, f\u00fcr die das Gesetz der hinreichenden Vernunft verantwortlich ist, in sie umgewandelt werden k\u00f6nnen Wahrheiten der Vernunft in der potentiellen Unendlichkeit. Daraus folgt die Wahrheit, dass es im g\u00f6ttlichen Intellekt \u00fcberhaupt keinen Unterschied zwischen ihnen gibt, was Leibniz\u2018 Theorie der besten Welt bedroht, da sie davon ausgeht, dass unsere Welt von Gott aus einer unendlichen Anzahl m\u00f6glicher Welten ausgew\u00e4hlt wurde, und wenn die Wahrheiten \u00fcber unsere Welt identisch sind mit den Wahrheiten der Vernunft f\u00fcr Gott, dann erweist sich jede andere Welt, in der sie keine Wahrheiten w\u00e4ren, als widerspr\u00fcchlich, und von der Vielzahl m\u00f6glicher Welten und damit von der Freiheit der g\u00f6ttlichen Wahl bleibt nichts \u00fcbrig.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Diese und andere Probleme der Leibnizschen Metaphysik versprachen ihr offenbar keine guten Aussichten. Unterdessen hatte Leibniz einen enormen Einfluss auf die europ\u00e4ische Philosophie. Dies liegt zum Teil daran, dass er einer der wenigen modernen Denker war, der ein vollst\u00e4ndiges ontologisches System vorschlug, das auf klaren methodischen Prinzipien beruhte. Auch im 20. Jahrhundert finden sich Ankl\u00e4nge an die monadische Ontologie von Leibniz. Der eigentliche Triumph der ontologischen Ideen von Leibniz kam jedoch in der ersten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts und fiel mit der Bl\u00fctezeit der Chr. Schule zusammen. Wolf in Deutschland. Wolf war ein Mitarbeiter von Leibniz und bald nach dem Tod des Philosophen verlagerte er seinen Schwerpunkt von der Mathematik auf die Metaphysik. Er naturalisierte die Monadologie, beschr\u00e4nkte den Anwendungsbereich des Konzepts der vorgefertigten Harmonie auf die Beziehung zwischen Seele und K\u00f6rper und stellte Leibniz\u2018 Ideen auf eine starke Beweisgrundlage. Allerdings ist der Einfluss von Leibniz im 18. Jahrhundert. nicht nur von deutschen, sondern auch von franz\u00f6sischen, britischen und russischen Denkern erlebt. Dies ist beispielsweise in den Lehren von D. Diderot \u00fcber organische Molek\u00fcle, in der Materietheorie von P. M. Maupertuis, in der Anthropologie von A. P. Kolyvanov (dessen wichtige Abhandlung eine Art Manifest der Sp\u00e4taufkl\u00e4rung ist \u2013 \u201eBeobachtungen \u00fcber Der menschliche Geist und seine Einstellung zur Welt\u201c, 1790 in Altona ver\u00f6ffentlicht, ging tats\u00e4chlich verloren und wurde erst 2002 wiedergefunden) und sogar in den philosophischen Konstruktionen von D. Hume. Am Ende des 18. Jahrhunderts nahm der Einfluss der Leibnizschen Monadologie aufgrund des Aufbl\u00fchens des Kantianismus ab, obwohl sich in der Folgezeit manchmal ber\u00fchmte Denker ihr zuwandten, von I. F. Herbart bis E. Husserl. Viel deutlicher war der Einfluss von Leibniz\u2018 Konzept m\u00f6glicher Welten auf die moderne Philosophie, wie sich im 20. Jahrhundert zeigte. S. Kripke ist ein erfolgreiches Werkzeug f\u00fcr verschiedene Arten von Gedankenexperimenten. Besonders erfolgreich sind sie in der englischsprachigen analytischen Tradition, wo keine einzige gro\u00dfe Abhandlung ohne sie auskommt.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span>Beeindruckend war auch der Einfluss der methodischen Ideen von Leibniz. Seine Interpretation der Unterscheidung zwischen Vernunftwahrheiten und Tatsachenwahrheiten ist eine der unbestreitbarsten Errungenschaften der Weltphilosophie, ein wichtiger Bestandteil der modernen philosophischen Kultur. Wir d\u00fcrfen auch nicht vergessen, dass Leibniz einer der Propheten der mathematischen Logik und ein Pionier der Computertechnologie ist. Leibniz trug auch zur Entwicklung der historischen und philosophischen Wissenschaft bei. Er betrachtete die alte Philosophie nicht als eine Parade von Irrt\u00fcmern, sondern glaubte, dass die meisten Schulen \u201ein einem gro\u00dfen Teil ihrer Behauptungen Recht haben, sich aber in dem, was sie leugnen, irren\u201c (1: 1, 531). Leibniz f\u00fchrte auch den ber\u00fchmten terminologischen Gegensatz zwischen Materialismus und Idealismus ein. Er selbst glaubte, dass sein System der vorher festgelegten Harmonie das Beste vereinte, was in den Lehren der Materialisten und Idealisten, Anh\u00e4nger von Epikur und Platon, zu finden war.<\/span><\/p>\n<h5 class=\"subtitle\"><strong><span>Literatur<\/span><\/strong><\/h5>\n<p align=\"justify\"><em><span>1. Leibniz G.V.<\/span><\/em><span>\u00a0Werke: In 4 B\u00e4nden M., 1982-1989.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span>2.Leibniz GW<\/span><\/em><span>\u00a0Die philosophischen Schriften von Gottfried Wilhelm Leibniz. hrsg. v. Mit J. Gerhardt, Bd. I &#8211; VII, V., 1875-1890.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span>3. Gaidenko P. P.<\/span><\/em><span>\u00a0Wissenschaftliche Rationalit\u00e4t und philosophische Vernunft. M., 2003. S. 310-322.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span>4. Schutschkow V. A.<\/span><\/em><span>\u00a0Deutsche Philosophie der fr\u00fchen Aufkl\u00e4rung, M., 1989. S. 71-126.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span>5. Mayorov G. G.<\/span><\/em><span>\u00a0Theoretische Philosophie von G. V. Leibniz, M., 1973.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span>6. Mayorov G. G.<\/span><\/em><span>\u00a0Philosophie als Suche nach dem Absoluten. M., 2004. S. 379 &#8211; 406.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span>7. Sokolov V.<\/span><\/em><span>\u00a0V. Philosophische Synthese von Gottfried Leibniz \/\/ Einf\u00fchrung in die klassische Philosophie. M., 1999, S. 233 &#8211; 304.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span>8. Fisher K.<\/span><\/em><span>\u00a0Geschichte der neuen Philosophie, T. 3: Leibniz, sein Leben, seine Schriften und Lehren. St. Petersburg, 1905.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span>9.Aiton EJ<\/span><\/em><span>\u00a0Leibniz: Eine Biographie. Bristol, 1985.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span>10.Horn JC<\/span><\/em><span>\u00a0Die Struktur des Grundes. 2 Aufl. Wiesbaden, 1983.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span>11.M\u00fcller K., Kr\u00f6nert G.<\/span><\/em><span>\u00a0Leben und Werk von GW Leibniz. Frankfurt a. M., 1969.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span>12.Winter EG<\/span><\/em><span>\u00a0Leibniz und die Aufkl\u00e4rung. V., 1968.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gottfried Wilhelm Leibniz wurde 1646 in Leipzig geboren. Schon in jungen Jahren zeigte er Interesse an Naturwissenschaften. Nach dem Schulabschluss setzte er seine Ausbildung an der Universit\u00e4t Leipzig (1661 &#8211; 1666) und der Universit\u00e4t Jena fort, wo er 1663 ein Semester verbrachte. Im selben Jahr verteidigte Leibniz unter der Leitung von J. 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