Nach ihrer Rückkehr von Langzeitaufenthalten im Weltraum werden Astronauten oft aus ihren Kapseln geholt und auf Tragen gelegt. Auch die Astronauten Sunita Williams und Butch Wilmore, die im März 2025 im All festsaßen, machten da keine Ausnahme. Die Auswirkungen von Langzeit-Weltraumflügen auf den menschlichen Körper sind Gegenstand intensiver Forschung. Den aktuellen Rekord für den längsten ununterbrochenen Aufenthalt im Weltraum hält der russische Kosmonaut Waleri Poljakow, der 1994 und 1995 437 Tage – etwas mehr als 14 Monate – an Bord der inzwischen stillgelegten Raumstation Mir verbrachte.
Am 18. März 2025 landeten die NASA-Astronauten Sunita Williams und Butch Wilmore mit einer SpaceX-Kapsel im Golf von Mexiko und beendeten damit ihren über neunmonatigen Aufenthalt im Weltraum, der ursprünglich nur wenige Wochen dauern sollte. Nach dem Öffnen der Kapsel wurden die Astronauten aus dem Raumschiff getragen und auf Tragen verladen.
Wie Experten gegenüber Live Science erklärten, waren die Astronauten weder krank noch verletzt; der Grund für dieses Vorgehen hat nichts mit der spezifischen Mission von Williams und Wilmore an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) zu tun, sondern ist lediglich eine Frage des Protokolls, das alle Astronauten befolgen müssen.
Nach ihrer Rückkehr aus dem Weltraum können Astronauten nicht sofort nach der Landung wieder laufen. Dies liegt an den vorübergehenden körperlichen Veränderungen, die im Weltraum auftreten. Die NASA trägt dem Rechnung, indem sie strenge Sicherheitsmaßnahmen ergreift.

Astronaut Frank Rubio wird kurz nach seiner Rückkehr zur Erde nach einem 371-tägigen Aufenthalt an Bord der Internationalen Raumstation in ein Sanitätszelt gebracht. Rubio hält den Rekord für die meisten aufeinanderfolgenden Tage eines amerikanischen Astronauten im Weltraum. NASA/Bill Ingalls
„Viele von ihnen wollen nicht auf einer Trage herausgetragen werden, aber ihnen wird gesagt, dass sie es tun müssen“, sagte John DeWitt, Direktor für angewandte Sportwissenschaft an der Rice University in Texas und ehemaliger leitender Wissenschaftler am Johnson Space Center der NASA, wo er Methoden zur Verbesserung der Gesundheit von Astronauten während Raumflügen entwickelte, gegenüber Live Science.
So wie Menschen im Auto oder Flugzeug reisekrank werden können, können Astronauten nach der Rückkehr zur Erde Schwindel und Übelkeit verspüren. Deshalb werden Astronauten nach der Landung vorsichtshalber üblicherweise auf Tragen abtransportiert.
Dieses vorübergehende Gefühl entsteht, weil unser Körper darauf ausgelegt ist, die konstante Kraft zu nutzen, die uns zur Erde zieht – die Schwerkraft. Raumstationen wie die ISS befinden sich jedoch im freien Fall auf unseren Planeten zu, was bei den Astronauten ein Gefühl der Schwerelosigkeit erzeugt und ihren Körpern hilft, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen.
Laut DeWitt findet im Vestibularsystem des Innenohrs, das für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts entscheidend ist, eine bedeutende Veränderung statt. Im Weltraum lernt dieses System, bestimmte Sinnesreize zu ignorieren, während sich das Gehirn an die Schwerelosigkeit anpasst. Wenn Astronauten zur Erde zurückkehren und wieder Schwerkraft erleben, müssen sie sich daher erneut anpassen, was vorübergehend zur „Weltraumkrankheit“ führen kann.

Sunita Williams winkt, nachdem sie im Rahmen der Standard-Sicherheitsvorkehrungen auf eine Trage gehoben wurde. Williams kehrte am 18. März 2025 zusammen mit drei anderen Astronauten von der ISS zur Erde zurück. NASA
Eine weitere Veränderung, die Astronauten erleben, insbesondere jene, die sich lange im Weltraum aufhalten, ist der allmähliche Verlust an Muskel- und Knochenmasse. Während Gehen auf der Erde dank der Schwerkraft in der Regel ausreicht, um die Muskelkraft zu erhalten, benötigen Astronauten im Weltraum ihre Muskeln nicht so stark. Mit der Zeit führt die Inaktivität zu Muskelschwäche und -atrophie, einem Zustand, der als Muskelatrophie bekannt ist.
Um diesen und anderen mit Raumflügen verbundenen Effekten entgegenzuwirken, befolgen Astronauten, die lange Zeit im Weltraum verbringen, darunter auch Williams Wilmore, ein strenges tägliches Trainingsprogramm mit Hilfe einer Reihe von Geräten an Bord der Raumstation.
Williams und Wilmore waren Teil der Crew-9-Mission, zusammen mit dem NASA-Astronauten Nick Hague und dem Roskosmos-Kosmonauten Alexander Gorbunow, die am 18. März 2025 an Bord des SpaceX-Raumschiffs Dragon zur Erde zurückkehrten. Ihre Rückkehr markierte das Ende eines unerwarteten neunmonatigen Aufenthalts für Williams und Wilmore, nachdem die Boeing-Starliner-Kapsel, mit der sie zur ISS gestartet waren, während des Fluges mehrere Probleme, darunter Triebwerksstörungen und ein Leck, aufwies, was die NASA zwang, das Raumschiff leer zur Erde zurückzubringen.
Die Auswirkungen von Langzeit-Weltraumflügen auf den menschlichen Körper sind Gegenstand aktueller Forschung. Den Rekord für den längsten ununterbrochenen Aufenthalt im Weltraum hält derzeit der russische Kosmonaut Waleri Poljakow, der 1994 und 1995 437 Tage – etwas mehr als 14 Monate – an Bord der inzwischen stillgelegten Raumstation Mir verbrachte.
Die NASA-Astronauten Butch Wilmore und Suni Williams kehrten im März 2025 nach über neun Monaten im Orbit an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) zur Erde zurück. Ihr Aufenthalt im All nach dem Start am 5. Juni 2024 war unerwartet lang: Die Mission sollte ursprünglich fast eine Woche auf der ISS verbringen. Aufgrund von Problemen mit dem Flug der Boeing Starliner zur ISS musste die Rückreise jedoch verschoben werden. Im November sah sich der leitende medizinische Direktor der NASA gezwungen, Gerüchte der Boulevardpresse über den sich verschlechternden Gesundheitszustand der Astronauten zu dementieren.
Wie die NASA berichtet, ist diese verlängerte Mission jedoch nicht das erste Mal, dass Astronauten länger im Weltraum bleiben als geplant. Laut NPR wurden Wilmore und Williams bereits früh in der Mission in den Status „Verlängerter Aufenthalt“ versetzt, um den Zugang zum medizinischen Versorgungssystem der Station zu gewährleisten. Die Astronauten absolvieren zudem eine umfassende Rehabilitation.
Wie der Genesungsprozess für Wilmore und Williams sowie andere aus dem Weltraum zurückkehrende Astronauten ablief.
Nach der Landung trafen Wilmore und Williams in ihrer Kapsel auf Bergungs- und Ärzteteams, die sie zum Johnson Space Center in Houston brachten. Dort durchliefen sie laut NASA ein 45-tägiges, schrittweises Erholungsprogramm. Während dieser Zeit wurden medizinische Untersuchungen und Leistungstests durchgeführt, die Besatzung nahm an Forschungsarbeiten teil und absolvierte ein strukturiertes Rehabilitationsprogramm.
Laut NASA verbrachten sie täglich zwei Stunden mit Trainern und arbeiteten an einem individuellen Erholungsplan, um wieder ihren Fitnesszustand vor der Mission zu erreichen.
„Normalerweise erholen sich die physiologischen Systeme der meisten Besatzungsmitglieder innerhalb dieses Zeitraums“, teilte die Behörde mit.

Dieses von der NASA bereitgestellte Werbebild zeigt Unterstützungsteams an der SpaceX-Dragon-Raumkapsel kurz nach ihrer Landung am 18. März 2025 vor der Küste Floridas. An Bord befinden sich die NASA-Astronauten Nick Hague, Suni Williams und Butch Wilmore sowie der Roskosmos-Kosmonaut Alexander Gorbunow. (Keegan Barber/NASA)
Leland Melvin, der 2008 und 2009 zweimal zur ISS flog (die letzte Mission zusammen mit Wilmore), sagte, er sei nach einem Monat zu Hause wieder völlig gesund. Er gehörte zusammen mit Williams zur NASA-Astronautengruppe 17 und hat laut NASA mehr als 565 Stunden im Weltraum verbracht. Er ist außerdem Autor des Kinderbuchs „Space Hunters“. Um das Risiko eines Ohnmachtsanfalls oder eines Sturzes am Steuer zu vermeiden, durfte er jedoch eine Woche lang nicht Auto fahren.
Und irgendwann, als er sich noch an das Leben auf der Erde gewöhnte, vergaß er, dass er nicht mehr fliegen konnte.
„Ich lag im Bett. Ich musste dringend auf die Toilette und fing einfach an, mich mit dem Rücken abzustoßen und dachte: ‚Ich schwimme einfach zur Toilette.‘ Dann ging das Licht aus, und ich stieß mich ab und rollte aus dem Bett“, erzählt er.
Dr. Natasha Chow, Flugärztin bei der NASA und außerordentliche Professorin für Luft- und Raumfahrtmedizin an der University of Texas Medical Branch, ist für die medizinische Versorgung der Besatzung vor, während und nach den Missionen verantwortlich. Laut ihren Angaben gehört die Reisekrankheit zu den ersten Beschwerden, die sie bei Astronauten nach ihrer Rückkehr feststellt.
„In der Schwerelosigkeit schaltet das Innenohr quasi ab“, erklärt Chow gegenüber NPR. „Wenn man dann wieder Schwerkraft spürt, kann das etwas desorientierend sein.“
Das Innenohr enthält das Vestibularsystem, das aus Sinnesorganen besteht, die für das Gleichgewicht verantwortlich sind. In der Schwerelosigkeit empfängt das Vestibularsystem widersprüchliche Signale, wodurch es schwierig wird, die Richtung oben oder unten zu bestimmen.
Melvin sagt, er habe während seiner Genesung eine bestimmte Gangart einhalten müssen, damit sich sein Gleichgewichtssystem wieder anpassen konnte.
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„Man geht geradeaus und fängt dann an, sich abzubiegen. Man fängt an, sich abzubiegen, und das Gleichgewichtssystem setzt komplett aus, und man kann einfach hinfallen“, erklärt Melvin gegenüber NPR. „Man geht also geradeaus und biegt dann ab. Und dann geht man wieder geradeaus und biegt dann ab.“
Obwohl Astronauten nach ihrer Rückkehr aus dem Weltraum von Bordärzten medizinisch versorgt werden, ist eine umfassende Kampagne erforderlich, um die Besatzungen bereits vor Missionsende zu unterstützen. Es gibt Teams, die einen Ernährungsplan für die Astronauten vor dem Flug entwickeln, Ärzte, die ihren Gesundheitszustand während ihres Aufenthalts auf der ISS überwachen, und Helfer, die ihnen bei der Eingewöhnung in das Familienleben behilflich sind.

Die Astronauten Leland Melvin, Missionsspezialist der STS-129-Mission, und Butch Wilmore, Pilot, arbeiten am zweiten Flugtag, dem 17. November 2009, auf dem Achterdeck des Space Shuttles Atlantis. NASA/JSC/NASA.gov
„Nicht nur Flugmediziner, sondern auch Planer, Krankenschwestern, Ausbilder, Psychologen, Wissenschaftler, Strahlenschutzexperten, Toxikologen, Audiologen und andere Spezialisten arbeiten in verschiedenen Phasen der Mission zusammen, um die Gesundheit und Sicherheit der Besatzung zu optimieren“, sagt Chow.
Die Raumfahrt birgt auch eine Reihe von Gesundheitsrisiken, darunter die Belastung durch kosmische Strahlung. Zudem kann die geringe Schwerkraft die Knochen schwächen.
„Wir achten darauf, Muskelmasse und Knochendichte vor und nach einem Flug zu überwachen, denn Schwerelosigkeit ist, wie ich es nenne, eine ‚Wer rastet, der rostet‘-Umgebung“, sagt Dr. Chow. „Wenn man während des Fluges nicht regelmäßig Sport treibt, wendet der Körper keine Energie für den Erhalt von Muskeln und Knochen auf.“
Um dem entgegenzuwirken, absolvieren die Astronauten an Bord der ISS täglich zweieinhalb Stunden Kraft- und Ausdauertraining. Dies trägt auch dazu bei, den Verlust von Knochen- und Muskelmasse zu minimieren.
Melvin, der vor seiner Astronautenkarriere Sportler und NFL-Spieler war, sagt, er habe zur Vorbereitung auf den Raumflug Krafttraining absolviert und auf der ISS trainiert.
Die Auswirkungen von Raumflügen, insbesondere von Langzeitaufenthalten, auf den Körper werden weiterhin erforscht. In einer Studie mit den Zwillingsbrüdern Mark und Scott Kelly stellten Wissenschaftler fest, dass Scott während seines Aufenthalts auf der ISS vorübergehend um fünf Zentimeter wuchs.
Chronische Schwerelosigkeit kann auch dazu führen, dass Flüssigkeiten wie Blut in den Kopf strömen, was zu Hirnschwellungen und einer Abflachung des Augenhintergrunds führen kann – beides Faktoren, die zur Entwicklung des raumflugassoziierten neurookulären Syndroms beitragen. Laut NASA erleben manche Astronauten, die diese Erkrankung entwickeln, nur leichte Veränderungen, während andere „erhebliche Folgen“ erleiden können. Die Langzeitfolgen dieser Veränderungen sind unbekannt.
Melvin sagt, Astronauten würden die Risiken von Raumflügen untersuchen. Er fühle sich nach seinem Raumflug gesünder, weil er „eine neue Perspektive darauf gewonnen habe, was es bedeutet, Mensch zu sein“.
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